IBMs Watson in der Insolvenzberatung und im Kampf gegen Cybercrime

Watson unterstützt jetzt eine amerikanische Großkanzlei im Insolvenzrecht.

Watson unterstützt jetzt eine amerikanische Großkanzlei im Insolvenzrecht.

Auch wenn man von IBMs Superhirn “Watson” noch nicht im Bereich der strafrechtlichen Beratung lesen kann scheint es doch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das Thema auch hier aktuell wird. Grund genug, die neuesten Entwicklungen zu Watson in einem Beitrag kurz zusammenzufassen.

Mehr zu Watson und dessen Einfluss auf den Markt für Rechtsdienstleistungen können Sie übrigens auch in diesem Artikel nachlesen.

Was ist Watson?

Bei Watson handelt es sich um ein vom IT-Riesen IBM entwickeltes Programm. Watson gibt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in sekundenschnelle verblüffend treffende Antworten auf ihm gestellte Fragen.

Dass die Fragen auch durchaus etwas komplexer sein dürfen verdeutlichte IBM eindrucksvoll im Jahr 2011, als Watson in der schwierigen Quiz-Show “Jeopardy” das hervorragend besetzte Teilnehmerfeld schlug. Das System hat offenbar enormes Potential.

Watson und die Angst der Rechtsanwälte

Watson soll in allen denkbaren Bereichen der Gesellschaft in Zukunft zum Einsatz kommen. Dazu gehört auch der Markt für rechtliche Dienstleistungen. Namhafte Experten prognostizieren, dass Watson einen großen Einfluss auf die Branche haben wird.

Für die Vermarktung im juristischen Bereich hat IBM sich mit der Firma ROSS Intelligence zusammengetan. Letztere soll das Potential des Superhirns im juristischen Markt ausnutzen.

Werden Rechtsanwälte also in Zukunft reihenweise arbeitslos werden und durch “Roboter” (genauer gesagt: intelligente Software) ersetzt? Jedenfalls nicht, wenn es nach IBM und ROSS geht. Diese sehen Watson eher als Ergänzung.

Erster Durchbruch: Großkanzlei stellt Watson-Roboter ein

Wie die Washington Post berichtet ist ROSS Intelligence nun ein großer Coup gelungen. Eine führende US-Kanzlei hat ROSS einen auf Watson basierenden Roboter abgenommen.

BakerHostetler wird den mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Helfer künftig in der Insolvenzberatung einsetzen. Dort soll er die rund 50 angestellten Rechtsanwälte bei der juristischen Recherche unterstützen. Eine Tätigkeit, die eigentlich typischerweise von jungen Anwälten übernommen wird!

Interessant aus Kanzleisicht: Watson wird dem Mandanten wie ein Abo einer juristischen Datenbank ähnlich wie “Juris” oder “Beck Online” in Rechnung gestellt. Das wird der Mandant an der Abrechnung merken, wenn künftig Watson als Posten ausgewiesen wird statt wie bisher “billable hours” der jungen Anwälte.

Außerdem: Watson im Kampf gegen Cybercrime

Cybercrime, also Computer- und Internetkriminalität, ist wenig überraschend eines der heißesten Themen auch im Strafrecht. Neue Betätigungsfelder von Kriminellen welche es vor 20 Jahren überhaupt nicht gab erfordern naturgemäß eine Anpassung des Strafrechts.

Auch in diesem Feld soll Watson nun tätig werden, wie IBM verkündet. Allerdings präventiv. Watson soll künftig die Ergebnisse von Forschung auf dem Gebiet der IT-Sicherheit auswerten und Muster von Hackerangriffen etc. auswerten und im Vorfeld erkennen können. So könnte Watson eines Tages sogar Cyberangriffe erkennen, die auf neuen Angriffstechniken basieren.

Dabei wird Watson in einer cloudbasierten Version eingesetzt werden. IBM will hierzu mit mehreren Universitäten zusammenarbeiten um die zugrundeliegenden Datenbanken mit Wissen zu füttern. Mit von der Partie ist auch das berühmte Massachsetts Institute of Technology.

Zu den eingespeisten Informationen soll IBMs eigene Datenbank zur IT-Sicherheit namens X-Force gehören. Darin enthalten sind Daten aus 20 Jahren Forschung auf dem Gebiet der IT-Sicherheit.

Ein Video von IBM erläutert wie Watson bei der Prävention von Internetkriminalität helfen soll.

Zusammenfassung

Watson macht mal wieder Schlagzeilen auf zwei Gebieten, die auch Juristen betreffen. Einerseits in der Prävention von Cybercrime. Watson könnte hier in Zukunft Straftaten im Vorfeld verhindern.

Andererseits unmittelbar im Revier der Rechtsanwälte. Eine erste Kanzlei in den USA setzt nun auf dem Feld des Insolvenzrechts auf Watson zu Recherchezwecken.

Wann wird man von Watson auch im Bereich des Strafrechts lesen? Nur eine Frage der Zeit.