Rassismus-Vorwurf: Supreme Court kassiert Todesurteil

"Tim" Foster ermorderte im Alter von 18 Jahren eine 79-jährige Witwe. Der Supreme Court stellte fest, dass die Staatsanwaltschaft bei der Auswahl der Juroren rassistisch vorging.

"Tim" Foster ermorderte im Alter von 18 Jahren eine 79-jährige Witwe. Der Supreme Court stellte fest, dass die Staatsanwaltschaft bei der Auswahl der Juroren rassistisch vorging.

In einer Entscheidung vom 23. Mai 2016 verpasste der Supreme Court of the United Staates (Oberster Gerichtshof der Vereinigten Staaten) der Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaates Georgia eine schallende Ohrfeige. Mit einer 7-1 Mehrheitsentscheidung entschieden die Richter klar im Sinne des zum Tode verurteilten Schwarzen Timothy Tyrone Foster. Sie stellten fest, dass die Staatsanwaltschaft die Jury anhand rassistischer Kriterien besetzte und mögliche schwarze Kandidaten nur aufgrund ihrer Hautfarbe ausschloss. Das gegen den wegen der Ermordung einer 79-jährigen Witwe verhängte Todesurteil wurde damit gekippt. Mehr dazu in diesem Artikel der New York Times.

Staatsanwaltschaft ging bin der Nominierung der Jury diskriminierend vor

In dem Prozess gegen Foster, der im Jahr 1987 stattfand, wurde der Afroamerikaner Foster wegen der Tötung von Queen Madge White für schuldig befunden. Er war zum Zeitpunkt der Tatbegehung 18 Jahre alt.

Potentielle Juroren mit schwarzer Hautfarbe wurden auf Liste markiert

Der Supreme Court (bzw. Chief Justice Roberts für die Mehrheit) stellte fest, dass die Staatsanwaltschaft auf einer Liste der potentiellen Juroren für den Mordprozess alle Schwarzen markierte. Außerdem wurde das Wort “schwarz” jeweils eingekreist, wo die Kandidaten ihre Hautfarbe angegeben hatten. Das Ergebnis: in der Jury, die für die Todesstrafe von Tim Foster votierte, war kein einziger schwarzer Juror.

Der zuständige Staatsanwalt wollte mutmaßlich eine möglichst “weiße” Jury um die bestmöglichen Karten im Prozess gegen den Schwarzen zu haben. Federführend war der Staatsanwalt Stephen Lanier, der auf die Todesstrafe drängte.

Der Supreme Court stellte eine Diskriminierung anhand der Hautfarbe der Juroren fest. Dadurch wurde die Verfassung der Vereinigten Staaten verletzt.

Kläglicher Versuch einer sachlichen Rechtfertigung

Auch die von Lanier vorgebrachten fadenscheinigen Ausreden ließ man nicht durchgehen. Der Staatsanwalt hatte versucht das Streichen der Schwarzen mit anderen Gründen sachlich zu rechtfertigen. Er wollte damit den Diskriminierungsvorwurf vermeiden. Die von ihm offiziell angegeben Gründe konnten die Mehrheit der Richter am Supreme Court aber nicht überzeugen.

Eine schwarze Jury-Kandidatin lehnte die Staatsanwaltschaft offiziell aus dem Grund ab, dass sie zu jung sei. Tatsächlich war sie aber 34. Und was die Sache nicht besser machte: 8 potentielle weiße Juroren ließ man auf der Kandidatenliste, obwohl sie allesamt unter 36 Jahren alt waren. Unter denjenigen, die schließlich die Jury bildeten, war sogar ein 21-Jähriger. Weitere Fehler vorgeschobene Gründe für die Diskriminierung wurden vom Supreme Court ebenfalls entlarvt.

Fazit

Ein klarer Fall von rassistischer Diskriminierung. Das Todesurteil gegen Foster wurde gekippt. Allerdings wird nicht damit gerechnet, dass die Entscheidung allzu großen Einfluss haben wird. Obwohl es sich vermutlich nicht um einen Einzelfall handeln dürfte. Ein solch klarer Fall von Diskriminierung präsentiert sich selten. Gehen die Staatsanwälte nicht derart dreist und plump vor wie im Foster-Fall, ist der Rassismus-Vorwurf kaum nachzuweisen.