Der Fall Thiago und die verpasste Dopingkontrolle

In den Medien wird spekuliert, dass die Dopingjäger einen konkreten Verdacht gegen den Bayern-Spieler Thiago hatten.

In den Medien wird spekuliert, dass die Dopingjäger einen konkreten Verdacht gegen den Bayern-Spieler Thiago hatten.

Thiago Alcántara do Nascimento, der Fußballer des FC Bayern der von allen kurz “Thiago” genannt wird, war einer der Top-Einkäufe der Ära Guardiola. Das nur 1,74m große Juwel der Barcelona-Jugendschmiede ist für seine lupenreine Technik bekannt. Was in den letzten Tagen über ihn in der Zeitung zu lesen ist, dürfte den Spanier, der auch die brasilianische Staatsbürgerschaft besitzt, weniger freuen. Von einer “verpassten Dopingkontrolle” ist zu lesen. Zugleich wird Kritik an den Dopingjägern laut.

Was ist passiert?

Was geschehen ist, lässt sich diesem Artikel von Spiegel Online entnehmen. Hier die Kurzversion:

  • Thiago hielt sich im Oktober 2014 während einer Verletzungspause in Spanien in einem Krankenhaus auf

  • Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) wollte eine unangemeldete Dopingkontrolle durchführen

  • Die Dopingjäger konnten Thiago aber weder in der Klinik Quiron in Barcelona, noch in seiner Villa im Münchener Stadtteil Grünwald antreffen

  • Daher fand keine Kontrolle statt

Ans Licht kamen die Geschehnisse durch eine ARD-Recherche.

Ärgerlich für die Kontrolleure, denn bestimmte Dopingmethoden lassen sich nur kurzfristig nachweisen. Manche Substanzen werden innerhalb von Stunden abgebaut.

Pflichtverletzung von Thiago?

Der DFB (Deutscher Fußball-Bund e.V.) sah sich nun angesichts der ziemlich kritischen Berichterstattung zu einer Presseerklärung genötigt. In dieser wird dargelegt, warum wegen der verpassten Kontrollen keine Sanktionen möglich waren.

Thiago gehört nicht zum NADA-Testpool (NTP). Ergebnis: Thiago unterliegt keiner Meldepflicht hinsichtlich seines Aufenthaltsortes. Daher hat er auch keine Pflicht verletzt, indem er der NADA nicht mitteilte, wo exakt er sich aufhielt. Eine Sanktion ist folglich nicht möglich.

Sportler die individuellen Meldepflichten unterliegen, müssen hingegen ihren Aufenthaltsort selbst über das ADAMS-System der NADA mitteilen.

Auch der FC Bayern konnte nach den Ausführungen des DFB kein Meldepflichtverstoß hinsichtlich des Aufenthaltsortes seines Top-Spielers zur Last gelegt werden.

Also viel Lärm um Nichts? Oder ein Indiz, dass es große Lücken im System der Dopingkontrollen im Profi-Fußball gibt?

Gab es einen konkreten Verdacht?

Im Deutschlandfunk wird gemutmaßt, dass es einen konkreten Dopingverdacht gegen den Spieler gab:

“im Oktober 2014 wollte die NADA [...] ernst machen. Sie hatte bei FC Bayern Star Thiago offenbar einen Doping-Verdacht. Und um den spanischen Nationalspieler gezielt und unangekündigt zu testen, schickte die NADA gleich mehrere Kontrolleure los. Sie suchten Thiago an verschiedenen Orten quasi gleichzeitig.”

Fazit

Etwas kurios ist der Fall Thiago schon. Dass die Vorgänge so lange zurück liegen und erst jetzt ans Licht kommen, während der EM und in einer Zeit in der die Vereine ihren Kader für die nächste Saison planen, ist schon ein seltsamer Zufall. Sprechen die Geschehnisse dafür, dass die NADA vor dem DFB “kuscht” und Fußball-Stars verschont, wie es der Deutschlandfunk formuliert? Oder wird hier von den Öffentlich-Rechtlichen etwas aufgebauscht, um etwas Medienpräsenz zu bekommen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Beides scheint möglich.