Vergeltung, die Todesstrafe und ein befangener Richter

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Terry Williams ist ein verurteilter Mörder, der in Pennsylvania auf die Todesstrafe wartet. Mehr über seinen tragischen Fall erfahren Sie in diesem Artikel. Und welche Rolle ein befangener Richter dabei spielt.

Verurteilung und Todesstrafe

Zweifacher Mörder

Williams wurde im Jahr 1987 zum Tode verurteilt. Diese Strafe bekam er für die brutale Ermordung von Amos Norwood. Darüber hinaus wurde er wegen der Tötung eines anderen Mannes fünf Monate früher verurteilt. Wenn man liest, wie brutal er bei seinen Straftaten vorgegangen ist, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Todesstrafe - sofern man sie denn an sich aktzeptiert - nachvollziehbar ist.

Williams übte Vergeltung

Nun aber das Unglaubliche an dem Fall: Williams wurde von beiden Männern sexuell missbraucht. Darüber hinaus wurde er auch von anderen Personen in seiner Kindheit immer wieder missbraucht.

Williams hat also eine schwere Kindheit hinter sich und nahm darüber hinaus das Gesetz selbst in die Hand. Keine Frage, dass ein Rechtsstaat dennoch keine Selbstjustiz dulden kann. Aber die Todesstrafe erscheint in einem solchen Fall doch völlig fehl am Platz.

Wie konnte es also dazu kommen? Ganz einfach. Die Jury wusste nicht, dass er von Amos Norwood missbraucht worden war.

Alle Details zu den Hintergründen finden sich hier.

Witwe seines Opfers will Hinrichtung verhindern

Sogar Witwe von Amos Norwood verlangt die Begnadigung von Williams.

“Bitte hören Sie damit auf, zu versuchen, Terry Williams hinzurichten” Mamie Norwood

Ebenfalls fordern fünf der Juroren, die an der Verurteilung von Willims beteiligt waren, seine Begnadigung. Sie haben eidesstattliche Versicherungen abgegeben, dass sie die Todesstrafe nicht befürwortet hätten, wenn ihnen die ganze Faktenlage bekannt gewesen wäre.

US Supreme Court hält Richter für befangen

Noch ein weiteres Detail mach diesen Fall besonders bemerkenswert. Protagonist ist diesmal (inzwischen im Ruhestand befindliche) Richter Ronald Castille aus Pennsylvania. Dieser war mehrmals mit der Todesstrafe von Terry Williams befasst. Er ist ein starker Befürworter der Todesstrafe.

Castille war schon vor Jahrzehnten einmal als Staatsanwalt mit der Strafverfolgung von Williams beschäftigt. Ein massiver Interessenkonflikt, wie der US Supreme Court nun in einer Mehrheitsentscheidung feststellte. Daher bestand die Besorgnis der Befangenheit.

“Where a judge has had an earlier significant, personal involvement as a prosecutor in a critical decision in the defendant's case, the risk of actual bias in the judicial proceedings rises to an unconstitutional level” Richter Anthony Kennedy, für die Mehrheit

Mehr dazu auf USA Today.

Zusammenfassung

Terry Williams als Pechvogel zu bezeichnen wäre eine echte Untertreibung. Nicht nur, dass er in seiner Kindheit und Jugend mehrfach missbraucht wurde. Er wurde möglicherweise nur deshalb zum Tode verurteilt weil eine Jury nicht wußte, dass er sich an seinen Peinigern rächte. Schließlich war ein befangener Richter mit seinem Fall befasst.