Tattoo-Pfusch: strafbare Körperverletzung?

Ein Tattoo ist nichts für jeden, aber definitiv der Modetrend der letzten Jahre. Wer seinen eigenen Körper “verschönern” möchte macht sich meist keine Gedanken, dass der Tätowierer beim Stechen den Tatbestand der Körperverletzung verwirklicht. Das ändert sich, wenn sich die erhoffte Zierde als Pfusch herausstellt.

Das “grenzt doch an Körperverletzung”

Liegt der Verdacht nah, dass gepfuscht wurde, macht schnell das Wort der Körperverletzung die Runde. Wer neugierig ist wie solch ein missratenes Tattoo aussieht, der sollte die magischen Worte “tattoo pfusch” bei google eintippen.

Neben den Pfusch-Fällen gibt es noch eine zweite interessante Fallgruppe: Das Tattoo ist zwar handwerklich sauber ausgeführt, der Kunde stellt aber fest, dass es von der gewollten Vorlage abweicht.

Ausklammern möchte ich hier Fälle bei denen Gesundheitsschäden hervorgerufen werden. Neben Infektionen gibt es beispielsweise auch die Gefahr, dass die eingesetzten Farbstoffe zugelassen, aber dennoch gesundheitsschädlich sind. Diese Fälle unterscheiden sich zum Teil zu stark von den vorgenannten.

Tatbestand der Körperverletzung erfüllt

Was ist eine Körperverletzung?

Juristisch eindeutig kann die Frage beantwortet werden, ob eine Tätowierung den Tatbestand der Körperverletzung (§ 223 StGB) erfüllt. Der Tatbestand der Körperverletzung erfordert eine Gesundheitsschädigung oder körperliche Misshandlung des Opfers.

Unter einer körperlichen Misshandlung verstehen Juristen jede üble, unangemessene Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt.

Tätowierung als körperliche Misshandlung

Bei der Tätowierung wird ein Farbstoff mit einem spitzen Gegenstand in die Haut eingebracht. Hierzu wird in der Regel die oberste Hautschicht (Epidermis) mit einer Nadel durchstochen und der Hautstoff in tiefer liegende Hautschichten gebracht. Die Verletzung der Haut beeinträchtig jedenfalls die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich. Im Übrigen ist der Vorgang auch mit Schmerzen von einer gewissen Erheblichkeit verbunden.

Damit ist eine körperliche Misshandlung gegeben und der Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. So hat es auch das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einer Entscheidung vom 5. März 2014 gesehen (Az 12 U 151/13). Wenn auch ohne ausführliche Begründung, wie ich sie hier niedergeschrieben habe.

Mehr noch: gefährliche Körperverletzung?

Mit der Verwendung der Tätowiernadel bzw. Tätowiermaschine (sog. “gun”) kommt darüber hinaus sogar eine gefährliche Körperverletzung in Frage (§ 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB). Es verwundert ein wenig, dass dies mit keinem Wort in dem Urteil des OLG Hamm erwähnt wird. Dem Gericht kam es aber wohl nur auf den Grundtatbestand der “einfachen” Körperverletzung an.

Jedenfalls wird man in der Tattoonadel in der Hand eines erfahrenen Tätowierers kein gefährliches Werkzeug sehen können. Es drängt sich der Vergleich mit dem Skalpell in der Hand des erfahrenen Chirurgen auf. Hier verneint die Rechtsprechung ebenfalls das gefährliche Werkzeug.1

Keine Strafbarkeit bei Einwilligung

Jeder kann sich denken, dass eine normale Tätowierung den “tattoo artist” nicht vor Gericht bringt. Juristen kommen zu diesem Ergebnis über die rechtfertigende Einwilligung. Handelt der Tätowierer aufgrund einer ordnungsgemäßen Einwilligung seines Kunden, macht er sich nicht strafbar. In diesem Fall geschieht die Körperverletzung nicht rechtswidrig.

Aber: greift nur bei kunstgerechter Tätowierung

Die Rechtfertigung durch Einwilligung erfordert aber, dass sich der Tätowierer im Rahmen der erteilten Einwilligung bewegt. Der Kunde willigt aber nur in eine handwerklich/künstlerisch korrekt ausgeführte Tätowierung entsprechend des vereinbarten Motivs ein. Kleinere “Mängel” bewegen sich sicherlich noch im Bereich der akzeptablen Toleranz, da die Tätowierung von Menschenhand ausgeführt wird.

Nicht unerhebliche Abweichungen von der vereinbarten Vorlage, hässliche Farbverläufe etc. sind jedoch nicht mehr akzeptabel. Das OLG Hamm formulierte es in der oben zitierten Entscheidung aufgrund des dem Gericht vorliegenden Sachverhaltes so:

“Die Einwilligung der Klägerin erstreckte sich lediglich auf die technisch und gestalterisch mangelfreie Herstellung eines der zuvor gebilligten Skizze entsprechenden Tattoos. Sie hat hier keine rechtfertigende Wirkung, weil [...] die Farbe in zu tiefe Hautschichten eingebracht wurde mit der Folge, dass es im Umfeld der Tätowierungslinien zu deutlichen Farbverläufen kam. Zudem erscheinen [...] auch die sich auf die deutlichen Kaliberunregelmäßigkeiten der dunkelblau dargestellten Ranken und die Linienführung beziehenden Beanstandungen der Klägerin hinsichtlich der gestalterischen Umsetzung des ausgewählten Motivs berechtigt.”

Fazit

Tätowierer haben nichts zu befürchten, solange sie die Tätowierung handwerklich sauber ausführen. Wer sein Handwerk nicht richtig gelernt hat (Pfuscher) oder von der Vorlage zu sehr Abweicht riskiert aber eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung.


  1. BGH 5 StR 521/59