Die Strafgerichtsbarkeit im Vereinigten Königreich

UK: kleinere Delikte landen beim Magistrates' Court, schwerere Taten kommen zum Crown Court

UK: kleinere Delikte landen beim Magistrates' Court, schwerere Taten kommen zum Crown Court

Da hier im Blog häufig über Strafprozesse und das Justizsystem im Vereinigten Königreich (United Kingdom (UK)) berichtet wird, erscheint es mir lohnenswert die Grundzüge der britischen Strafgerichtsbarkeit in einem eigenen Artikel zu beschreiben.

“Magistrates’ Court” und “Crown Court”

Alle Prozesse starten beim Magistrates’ Court, wenige kommen zum Crown Court

Alle Strafprozesse starten bei einem “Magistrates’ Court”. Dies sind Gerichte die in der Gerichtshierarchie unten anzusiedeln sind. Vergleichen kann man sie mit den Amtsgerichten in Deutschland. 90 Prozent der Fälle enden auch beim Magistrates’ Court.

Je nachdem wie schwer die vorgeworfene Straftat ist, kann der Fall vom Magistrates’ Court auch an den “Crown Court” verwiesen werden. Dies ist in der Statistik nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Prozesse. Den Crown Court kann man mit den deutschen Landgerichten vergleichen.

Schwere der Straftat entscheidet

Schwerwiegende Straftaten wie Mord, Vergewaltigung oder Raub können nur vor dem Crown Court verhandelt werden. Man bezeichnet solche Straftaten auch als “indictable only offences”.

Hingegen verbleiben kleinere Straftaten wie Straßenverkehrsdelikte beim Magistrates’ Court. Man nennt sie “summary offences”.

Es gibt auch Delikte, mit deren Befassung jedes der beiden Gerichte statthaft wäre. Das sind sogenannte “either-way offences” (”Beides-geht-Delikte”). Das hängt auch davon ab ob der Beschuldigte verlangt, dass eine Jury über seine Schuld befindet. Eine solche gibt es nur beim Crown Court, wie wir noch sehen werden.

Strafmaß

Das maximale Strafmaß, welches ein Magistrates’ Court in einer Strafsache wegen einer Straftat verhängen kann, beträgt 6 Monate Freiheitsstrafe.

Hingegen kann ein Crown Court härtere Strafen verhängen, bis hin zu lebenslanger Freiheitsstrafe.

Ehrenamtliche Richter

Beim Magistrates’ Court wird ein Fall entweder von drei Laienrichtern (Magistrates oder Justices of the Peace (JP)), oder von einem Berufsrichter (district judge) gehört. Die Laienrichter kann man mit den Schöffen in Deutschland vergleichen. Sie sind Nichtjuristen aus der Bevölkerung, die sich freiwillig dieser Aufgabe widmen.

Da sie ein möglichst breites Spektrum der Bevölkerung abbilden sollen wird tunlichst versucht, sie hinsichtlich Geschlecht, Alter, Ethnizität usw. bunt durchzumischen.

Es gibt über 20.000 Laienrichter im Vereinigten Königreich. Die Zahl der Berufsrichter an den Magistrates’ Courts beläuft sich auf deutlich unter 1.000.

Jury

Jurys gibt es nur beim Crown Court, nicht hingegen beim Magistrates’ Court. Plädiert der Angeklagte auf “schuldig”, ist die Jury aber entbehrlich. Denn die Aufgabe der Jury ist es gerade, über die Schuld des Angeklagten zu urteilen.

Die Vereidigung der Juroren ist Sache des vorsitzenden Richters. Es ist darüber hinaus seine Aufgabe, die Jury an der Hand zu nehmen und den Juroren ihre Rolle und Pflichten klar zu machen.

Ist die Beweisaufnahme abgeschlossen, erklärt der Richter der Jury die rechtlichen Fragen des Falles. Er erinnert an die entscheidenden Punkte und fasst die Stärken und Schwächen in Anklage und Verteidigung zusammen.

Entscheidet die Jury, dass der Angeklagte schuldig ist, setzt der Richter das Strafmaß fest Dieser Vorgang nennt sich “sentencing”.

Zusammenfassung

Im Vereinigten Königreich gibt es eine Zweiteilung der Strafgerichte. Die leichteren Delikte werden vor dem Magistrates’ Court verhandelt. Schwere Straftaten landen beim Crown Court, wo eine Jury über die Schuld des Angeklagten befindet.