Smartphones & Tablets für Polizisten in UK und Deutschland

England und Deutschland denken über die technische Zukunft der Polizei nach.

England und Deutschland denken über die technische Zukunft der Polizei nach.

In Manchester gibt die Polizei einen zweistelligen Millionenbetrag für neue technische Ausrüstung aus. Smartphones und Tablets sollen die Polizeiarbeit optimieren und Ressourcen einsparen. Auch in Deutschland schläft die Polizei nicht und denkt an die technische Zukunft.

Polizei von Manchester gibt mehr als 10 Millionen Pfund für Tablets und Smartphones aus

Laut Medienberichten gibt die Greater Manchester Police (GMP) 10,7 Millionen Pfund aus, um Polizeibeamte mit Smartphones und Tablets auszurüsten.

Rund 11.000 Geräte werden nach und nach zur Verfügung gestellt. Die Geräte machen aber weniger als ein Fünftel der Ausgaben aus.

Geräte von Samsung und BlackBerry

Die Polizei setzt übrigens bei den Tablets auf Samsung und bei den Smartphones auf BlackBerry mit dem Modell “Leap”. Ja, richtig gelesen: auf Blackberry.

Außer der viel gepriesenen Verschlüsselungstechnik (die aber ebenfalls längst geknackt wurde) fällt mir kein vernünftiger Grund ein, weshalb im Jahr 2016 noch ein Bewohner dieses Planeten Geld für BlackBerry Smartphones ausgeben sollte. Das scheint also der Hintergrund zu sein.

Möglicherweise spielt zusätzlich der BlackBerry Messenger (BBM) eine Rolle. Dieser könnte für die Kommunikation unter den Einsatzkräften Vorteile bieten.

Beraterfirma EY kassiert rund 4 Millionen Pfund

Von den Gesamtkosten entfallen übrigens 3,8 Millionen Pfund allein auf die Beraterfirma EY.

Diese hat berechnet, dass sich durch die neue Ausrüstung Kosteneinsparungen von 1,7 Millionen Pfund ergeben. Dem stehen allerdings 1,9 Millionen Pfund an zusätzlichen jährlichen Kosten gegenüber.

Effizienzgewinne erhofft

Die Polizei erhofft sich von den Gadgets eine erhebliche Zeitersparnis. Die Beamte sollen künftig mobil auf E-Mails zugreifen, Formulare ausfüllen, Anzeigen aufnehmen und Fingerabdrücke abgleichen können. Dadurch haben die Polizisten mehr Zeit für die eigentliche Polizeiarbeit - so die Theorie.

Londoner Metropolitain Police und Vodafone kooperieren

Seit 2014 läuft in London bereits ein Test mit der Nutzung von Tablets über Vodafones 4G-Netz. Mehrere hundert Beamte nehmen Teil. Zum Einsatz kommen Geräte vom Typ iPad Mini. Die Polizei von London (Metropolitain Police, kurz “Met”) bewertet den Versuch bislang als vollen Erfolg. Es ist von einer Zeitersparnis von einer Stunde pro Schicht die Rede (siehe hier und hier).

“It cannot be right in the 21st century that officers turn up with a pen and a little notebook. It doesn’t project the image of a modern, informed crime fighting operation.” (Superintendent Adrian Hutchinson)

Der Pilot ist Teil einer 200 Millionen Pfund schweren Technologieoffensive, die Londons Polizisten mobiler machen soll. Bislang griff die Met auf Technologie und Software aus den 80er Jahren zurück.

“[...] we’ve already had a great response from officers who have used the devices, and we are confident that the project will help them to be more visible to the public and ultimately deliver a better service to Londoners.” (Adrian Hutchinson, Head of Mobility Planing, via Techweekeurope)

Bayern schon seit 2013 mit Tablets unterwegs

Unterdessen schläft auch Deutschland nicht. Bayern hat bereits über 400 CarPads im Einsatz - Tablets die im Fahrzeug installiert sind (Süddeutsche Zeitung). Die 13-Zoll Geräte gelten als besonders robust und sollen insbesondere für Schleierfahndungen von Nutzen sein. So wird unter anderem der Fingerabdruckabgleich oder die Abfrage ermöglicht, ob ein Fahrzeug gestohlen ist.

Der Akku hält 8 Stunden und die Geräte können theoretisch auch bei Tempo 200 bedient werden. Ein Anschluss an die Außenantenne des Autos sichert guten Empfang und geringe Strahlenbelastung im Fahrzeuginneren.

Niedersachsen wertet Testphase aus

Niedersachsen hatte für wenige Monate ebenfalls 60 Tablets und 50 Smartphones auf Streife im Einsatz, wie der NDR berichtete. Die Testphase soll seit Ende Februar 2016 beendet sein und wird ausgewertet. 18 Geräte davon waren in der Polizeiinspektion Osnabrück “im Dienst”.

Besonderer Wert wurde auf Datensicherheit und -schutz gelegt. Auf den Geräten soll ein speziell abgesichertes Betriebssystem laufen. Außerdem erfolgte eine intensive Abstimmung mit Datenschutzexperten.

Die Auswertung soll nun Klarheit bringen, ob der Einsatz der neuen Geräte Vorteile bringt und was noch verbessert werden kann beziehungsweise muss. Die Geräte sollen unter anderem das Nacharbeiten des “Papierkrams” in der Dienststelle reduzieren.

“Ich verspreche mir sehr viel von den Möglichkeiten der Geräte, übrigens auch was das immer noch mühevolle Nacharbeiten von den erfassten Daten am Schreibtisch angeht" (Boris Pistorius, niedersächsischer Minister für Inneres und Sport, via NDR

Fazit

Die technologischen Fortschritte machen auch vor der Polizei nicht halt. Sowohl in England, als auch in Deutschland laufen Testphasen, die den Einsatz von Smartphones und Tablets erproben sollen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Polizisten mit Smartphones und Tablets ein gewohntes Bild des Alltags werden.