Vom Jedermann zum Organ der Rechtspflege: Robe machts möglich

Gegenstand einer Moderevolution: die Robe im 21. Jahrhundert

Gegenstand einer Moderevolution: die Robe im 21. Jahrhundert

Die Robe ist die Standestracht des Juristen. Lesen Sie hier welchem Zweck die Robe dient und wieso sie Gegenstand einer Mode-Revolution ist.

Geschichte der Robe

„Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man diese Spitzbuben schon von weitem erkennen und sich vor ihnen hüten kann.“

So formulierte es kein Kabarettist, sondern König Friedrich Wilhelm I. in seiner Kabinettsorder vom 15. Dezember 1726. Dies ist nichts Geringeres als die Geburtsstunde der Robenpflicht in Deutschland.

Welchen Zweck erfüllt die Robe?

Überhöhung und Verriss

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfGE 28, 21) schreibt der Robe sogar die Bedeutung zu, jedenfalls mittelbar der Rechts- und Wahrheitsfindung im Prozess zu dienen. Da bin sogar ich erstaunt. Wurde hier eventuell ein bisschen zu viel hineininterpretiert? Vielleicht muss man aber eine rote Robe tragen, um zu solchen Einsichten zu gelangen.

Weniger wohlwollend hat ein berühmter Nichtjurist formuliert (Molière, “der eingebildete Kranke”):

“Man braucht beim Sprechen nur Robe und Barett zu tragen, dann wird aus jedem Unsinn Weisheit und aus jeder Dummheit Vernunft.”

Zweck der Robe

Zurück zur Sachlichkeit. Der Robe werden einige Funktionen zugeschrieben:

  • Die Robe signalisiert: wer mich trägt, ist ein Organ der Rechtspflege

  • Sie trägt ohne Zweifel zu einer gewissen Atmosphäre im Gerichtssaal bei

    • die Robe unterstreicht die Würde des Gerichts

    • sie mahnt zur Objektivität und Sachlichkeit

  • Optische Abgrenzung des Trägers von der Allgemeinheit

  • Manche argumentieren, dass ihre Träger durch ein uniformes Aussehen gleichgestellt werden

  • Traditionsbewusste sagen, sie sei einfach das traditionelle Kleidungsstück des Juristen, die Standestracht, und schon deshalb zu tragen

Wozu dient die Robe?

Wozu dient die Robe?

Die Wahrheitsfindung wird teuer verkauft: Juristinnen beklagen mitunter, dass sich die Robe wie ein “Sack” trage. Daraus wurde jetzt ein Geschäftsmodell namens “Garde-Robe”.

Der Hersteller dazu:

“die erste Robe, die in Form und Proportion ganz auf die Bedürfnisse moderner Juristinnen zugeschnitten ist. Gefertigt aus feiner Wolle mit Seidenbesatz sorgt die GARDE-ROBE für einen stilsicheren Auftritt vor Gericht.”

Dies weckt anscheinend Begehrlichkeiten. Dem Vernehmen nach wird gerade auch an einer Garde-Robe für die männlichen Kollegen gebastelt!

Wahre Schönheit entstellt nichts? Von wegen.

Fazit

Die Robe muss sich dem 21. Jahrhundert stellen. Es wird nichts unversucht gelassen, auch an dieser Bastion der Juristen zu rütteln. Das Auge isst eben doch mit.

Aber wer sagt denn, dass es nur eine Form der Schönheit gibt? Schon Cicero wusste:

Es gibt zwei Arten des Schönen: In der einen liegt Anmut, in der anderen liegt Würde.

Damit Schluss.