Pfizer verbietet Verkauf von Exekutionsgift - Auswirkungen unklar

Texas zeigt sich von der Maßnahme völlig unbeeindruckt und erwartet keine Schwierigkeiten bei der Vollstreckung der Todesstrafe mittels Giftspritze

Texas zeigt sich von der Maßnahme völlig unbeeindruckt und erwartet keine Schwierigkeiten bei der Vollstreckung der Todesstrafe mittels Giftspritze

Der US-Pharmakonzern Pfizer verbietet den Verkauf der Mittel Midazolam, Pancuroniumbromid und Potassiumchlorid/Kaliumchlorid, die bei der Vollstreckung der Todesstrafe mittels Giftspritze eingesetzt werden. Vertriebspartner die sich darüber hinwegsetzen würden sich schadensersatzpflichtig machen. Mehr dazu auf reuters.com.

Auswirkungen noch nicht klar

Pfizer hat keine große Vergangenheit als Lieferant von Exekutionsgiften

Es ist nicht wirklich klar, welche Auswirkungen der von dem Pharmariesen angeordnete Lieferstop haben wird. Tatsächlich war Pfizer bislang nicht als Lieferant von Exekutionsmitteln in Erscheinung getreten. Alles nur ein merkwürdiger Marketing-Gag? Nein.

Die Zeitung “The Intercept” erklärt Pfizers Maßnahme mit dem Zukauf von Hospira Inc. im Jahr 2015. Diese Gesellschaft war schon als Lieferant von Giftmitteln für Exekutionen aufgetreten.

Giftmischungen oder singuläre Giftmittel

US-Staaten die die “letale Injektion” anwenden setzen auf verschiedene Methoden. Manche Staaten setzen auf ein einziges Mittel. Andere auf einen Cocktail von Medikamenten.

Solche Kombinationen nennen sich in den Staaten “compounding pharmacies”. Die Bundesstaten die solche Mischungen verwenden, könnten in Zukunft noch größere Schwierigkeiten haben die benötigten Mittel zu beschaffen. Denn auch europäische Pharmazeuten unterliegen seit rund 5 Jahren Lieferbeschränkungen. Auch Versuche die Mittel aus Asien zu beschaffen sind wenig erfolgreich. Es könnte sein, dass solche US-Bundesstaaten in Zukunft deshalb wieder auf andere Exekutionsmethoden setzen. Utah behält sich vor, auf Erschießungskommandos zurückzugreifen.

Staaten wie Texas, die auf ein einzelnes Mittel setzen werden hingegen keine Probleme bekommen. Das häufigste Mittel ist hier Pentobarbital, welches von Pfizer nicht hergestellt wird. Die Texaner, federführend bei der Vollstreckung der Todesstrafe, sehen deshalb keine Probleme auf sich zukommen.

"It's not anticipated that Pfizer's decision will have an impact on the agency's current ability to carry out executions" - ein Sprecher des texanischen Department of Criminal Justice (via reuters)

Fakten zur Todesstrafe

  • Zuletzt wurde Earl Forrest am 11. Mai 2016 in Missouri hingerichtet. Bei der Hinrichtung war er 66 Jahre alt. Er wurde im Jahr 2004 zum Tode verurteilt. Er tötete aufgrund eines Streits um die Droge Crystal Meth im Jahr 2002 drei Menschen. (Mehr dazu hier.)

  • Forrest war Person Nummer 1.436, die seit 1976 hingerichtet wurde

  • Bis 2005 erlaubten mehrere US-Bundesstaaten die Anwendung der Todesstrafe gegen Straftäter, die bei der Tatbegehung noch unter 18 Jahre alt waren

  • Die Todesstrafe ist in 31 US-Bundesstaaten legal

  • Oklahoma und Texas sind unter den fleißigsten Vollstreckern der Todesstrafe

  • In Florida ist derzeit ein Rechtsstreit im Gange, in dem sich der zum Tode verurteilte Timothy Hurst gegen die Hinrichtung wehrt. Der Fall könnte große Auswirkungen haben und möglicherweise dazu führen, dass mehrere hundert Straftäter der Todesstrafe entgehen. (Siehe hier.)

Trend im Jahr 2016

Bislang wurden im Jahr 2016 in den USA insgesamt 14 Straftäter hingerichtet. Im Jahr 2015 waren es insgesamt 28. Diese Zahl könnte also auch in diesem Jahr ungefähr erreicht werden. Sie wird also kontinuierlich vollstreckt, auch wenn das hohe Tempo im ersten Quartal nicht weiter gehalten wurde.

Insgesamt sind die Hinrichtungszahlen aber rückläufig. Zum Vergleich: 1995 waren es noch 56 Menschen und im Jahr 2005 sogar 60. (hier geht es zu den Zahlen.)