Lesetipp zum Anti-Doping-Gesetz

Ist das Anti-Doping-Gesetz nur ein zahnloser Tiger?

Ist das Anti-Doping-Gesetz nur ein zahnloser Tiger?

Einen lesenswerten Artikel über das noch recht junge Anti-Doping-Gesetz gibt es dieser Tage in dem “FollowUp Magazin“ zu lesen. Darin wird der Frage auf den Grund gegangen: “Was bringt das Gesetz in der Praxis?”.

Neue Daten: Fallzahl wird bekannt

Zunächst aber zu den neuen Details, die man in dem Artikel erfährt1: In bislang 14 Fällen habe die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) die Staatsanwaltschaften wegen positiver Dopingproben alarmiert.

Auch erfährt man, dass bei der Freiburger Staatsanwaltschaft drei Juristen schwerpunktmäßig mit dem neuen Anti-Doping-Gesetz betraut sind.

Zusammenspiel zwischen NADA und Staatsanwälten eine mögliche Schwachstelle

Benachrichtigungskette

Ein Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Freiburg berichtet über das übliche - soweit man das bei der geringen Fallzahl “üblich” nennen kann - Prozedere. Demnach werde bei einem Dopingverdacht zuerst die Staatsanwaltschaft benachrichtigt. Erst danach Sportverband, Verein und Athlet. Kaum verwunderlich, schließlich bestünde sonst die Gefahr, dass belastende Beweise schnell beseitigt werden könnten.

Kommt die Stärke des Strafprozessrechts nicht zum Zug?

Diese Bedenken äußert Prof. Dr. Dieter Rössner in dem Artikel: „Der Kern des Gesetzes ist die offensive Ermittlung – der Versuch, mit Polizei und Justiz in die Strukturen des Dopings einzudringen. Hier gibt es mit Hausdurchsuchungen und sogar Telekommunikationsüberwachung offensive Möglichkeiten“, so Rössner. Aber er befürchte, dass “die eigenaktiven Ermittlungen kaum vorkommen werden”.

Das Zitat ist leider ein wenig kurz um es richtig zu bewerten. Es klingt aber ein wenig so, als sei es das Kernanliegen des AntiDopG, dass der “Dopingsumpf” auf Verdacht mal so richtig auf den Kopf gestellt werden sollte. Stimmt das? “Jein”. Natürlich sind die Mittel und Wege, die der Strafprozess bietet, ein willkommenes Novum für den Kampf gegen das Doping. Aber “eigenaktive Ermittlungen” im Sinne von Herumschnüffeln aufgrund eines leistungssportskeptischen Generalverdachts kann natürlich nicht sein.

Das Zauberwort für das strafprozessuale Ermittlungsverfahren heißt hier “Anfangsverdacht”. Und eben dieser Anfangsverdacht wird durch die positive Dopingprobe begründet. Darin gibt es meiner Meinung nach nichts auszusetzen. Es ist eine rechtsstaatliche Notwendigkeit, dass ein solcher tatsachengestützter Verdachtsmoment vorliegt um weitere Ermittlungen anzustoßen.

Das weiß auch Prof. Rössner (und im Zweifel besser als ich). Vielleicht bekommt der renommierte Rechtswissenschaftler und Kriminologe bald eine Gelegenheit, seine sicherlich lesenswerten Gedanken zum Anti-Doping-Gesetz und der strafprozessualen Schnittstelle umfassender zu äußern.

NADA-Vorstand gewährt interessante Einblicke

Die “verfassungsrechtlichen Bedenken” beindrucken auch die NADA nicht

Auch auf die bereits thematisierten verfassungsrechtlichen Bedenken wird kurz eingegangen. NADA-Vorstandsmitglied Dr. Lars Mortsiefer wird dazu zitiert:

“Die angekündigten Verfassungsbeschwerden sind sicher in Teilen Schutzreflexe“

Auch diese Äußerung überrascht mich keineswegs. Über einige der kritikpunkte aus verfassungsrechtlicher Sicht habe ich schon Anfang April einen Beitrag veröffentlicht, der den klagelustigen Personen ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt.

Bemerkenswertes Statement zum Fall Marco Russ

Ein weiteres Statement gibt es übrigens noch zum Skandal-Fall um den Eintracht-Profi Marco Russ. Die Äußerung des NADA-Vorstands liest sich wie eine kleine Entschuldigung. Hier der Auszug aus dem FollowUp Artikel:

„’Wir haben hier in relativ kurzer Zeit viele Entscheidungen treffen müssen – viele Abwägungen, die nicht einfach waren’, berichtet Nada-Vorstand Mortsiefer: Der Dopingverdacht hätte im Zweifel erhebliche Konsequenzen für den Spielbetrieb haben können. Also habe die Nada schnell auch sportrechtlich handeln müssen.”

Fazit

Interessante neue Informationen. Den ganzen Artikel sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.


  1. Stand der Daten leider nicht genau bekanntgegeben; der FollowUp-Artikel ist vom 24. Juni 2016.


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