Legal Highs wuchern in den Gefängnissen des Vereinigten Königreichs

Zu schön um wahr zu sein: stark berauschend, leicht zu beschaffen und legal? Die boomenden "Legal Highs" werden für Selbstmorde in Gefängnissen verantwortlich gemacht.

Zu schön um wahr zu sein: stark berauschend, leicht zu beschaffen und legal? Die boomenden "Legal Highs" werden für Selbstmorde in Gefängnissen verantwortlich gemacht.

Die Justizvollzugsanstalten in Großbritannien stehen vor einem großen Problem. Sogenannte “Legal Highs” stehen im Verdacht, für die stark gestiegene Selbstmordrate hinter Gittern verantwortlich zu sein. Die Produkte mit psychoaktiven Substanzen sind in aller Munde und verbreiten sich anscheinend wie ein Krebsgeschwür. Was sich hinter dem Begriff “Legal High” verbirgt, wie das Justizministerium des Vereinigten Königreichs reagiert und ob die Produkte in Deutschland wirklich erlaubt sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Legal Highs fordern zahlreiche Opfer in Gefängnissen

39 Tote zwischen 2013 und 2015

In England und Wales ist die Zahl der verstobenen Häftlinge, deren Tod mit dem Konsum der künstlichen Drogen in Verbindung gebracht wird, stark angestiegen. Mindestens 39 solcher Todesfälle waren es zwischen 2013 und 2015, wie die Zeitung “the Guardian” berichtet. In dem Vergleichszeitraum 2012 bis 2014 waren es hingegen “nur” 19 Tote.

Die Zahlen unterstreichen eine Tatsache die Insidern längst bekannt ist: Legal Highs sind eines der größten Probleme, die Gefängnisse neuerdings bewältigen müssen.

Viele bekommen die Substanzen heimlich untergejubelt

Die Zeitung berichtete auch von Fällen, in denen Häftlingen ohne deren Wissen Zigaretten gegeben wurden, die Legal Highs enthielten. Auf diese Weise testet der Verabreichende die Wirkung von neuen Legal Highs an seinem “Versuchskaninchen”, bevor er sie selbst nimmt. In anderen Fällen werden die psychoaktiven Stoffe auch schlicht zur Belustigung der Umstehenden verabreicht.

Erklärung für die gestiegene Selbstmordrate?

Legal Highs sind auch dafür bekannt, depressive Zustände und Psychosen zu begünstigen. Es ist daher kein Wunder, dass die Legal Highs auch mit zahlreichen Selbstverletzungen und Suiziden in Verbindung gebracht werden. Deren Rate ist in Gefängnissen in England und Wales zuletzt beunruhigend gestiegen.

Reaktion der Regierung

Das Justizministerium (Ministry of Justice, MoJ) reagiert auf die jüngste Entwicklung. In 34 Justizvollzugsanstalten werden inzwischen neu entwickelte Drogentests ausprobiert, die Konsumenten entlarven sollen.

Darüber hinaus wurden mehr als 300 Spürhunde speziell trainiert, um Legal-High-Produkte aufzuspüren. In Zellendurchsuchungen wird ebenfalls verstärkt nach den Rauschmitteln gesucht.

Sie gelten als legal und werden von den Vertreibern als harmlos angepriesen: Die Rede ist von den sogenannten Legal Highs. Doch in Wirklichkeit sind sie gefährlicher als Cannabis und führen immer öfter in die Abhängigkeit.

Was sind Legal Highs?

Legal Highs sind berauschende Substanzen, die verharmlosend unter anderem als “Kräutermischungen”, “Lufterfrischer” oder “Badesalz” angeboten werden. Meist werden sie gezielt als legale Alternative zu verbotenen Drogen verkauft. Die stimulierenden, chemischen Wirkstoffe werden auf den Produktverpackungen in der Regel nicht ausgewiesen.

Räuchermischungen enthalten beispielsweise in erster Linie synthetische Cannabinoide und erzeugen Cannabis-ähnliche Rauschzustände. Sie sind daher auch unter der Bezeichnung “synthetisches Cannabis” bekannt.

Legal Highs werden allgemein auch als “neue psychoaktive Substanzen (NPS)”, “Herbal Highs” und “Research Chemicals” bezeichnet.

Szene und Vertrieb

In der Szene sind Legal Highs auch als “Spice”, “Black Mamba” oder “Explosion” bekannt. Sie werden über Online-Shops oder Läden verkauft, die Produkte aus der Hanf- und Cannbis-Szene verkaufen (sog. “Headshops”). Beim Käufer wird gerne der Eindruck erweckt, dass es sich um sichere, professionell hergestellte Erzeugnisse mit hoher Reinheit handele.

Die leichte Beschaffbarkeit und die vorgetäuschte Produktsicherheit wirkt vor allem auf Jugendliche attraktiv und dürfte zu dem Boom um die Legal Highs beigetragen haben.

Konsum und Folgen

Die Produkte werden geraucht, geschnüffelt, inhaliert, geschnieft oder geschluckt.

Die Wirkung der meisten Legal Highs ist nicht oder nur wenig erforscht. Die Szene ist daher auf Erfahrungsberichte von Konsumenten angewiesen. Es gilt das Prinzip “Probieren geht über Studieren” um den gewünschten Rausch herbeizuführen.

Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen sind ebenfalls meist nicht belegt oder werden von Konsumenten schlicht ignoriert. Lebensgefährliche Zustände, Psychosen und schwerste Gesundheitsschäden sind keine Seltenheit.

Zuletzt wurde im Mai 2016 der Fall einer Konsumentin aus Trier bekannt. Sie erbrach sich, erlitt einen Zusammenbruch und war tot bis der alarmierte Notarzt eintraf.

Legal in Deutschland?

Sind die Produkte wirklich - wie angeboten - legal? Das kommt darauf an. Bislang ist die Rechtslage so, dass die Hersteller bekannte Betäubungsmittel chemisch modifizieren und so das Betäubungsmittelgesetz umgehen können. In der Praxis bedeutete dies tatsächlich in den meisten Fällen die fehlende Strafbarkeit.

Reaktion des Gesetzgebers

Die Bundesregierung hat die Gesetzeslücke erkannt und will die künstlichen Drogen verbieten. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde bereits vom Kabinett verabschiedet (siehe heute.de).

Die Umgehungsversuche werden künftig durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) erschwert, indem nicht mehr nur einzelne Stoffe verboten werden, sondern ganze Stoffgruppen. Bei entsprechenden Marktentwicklungen können auch neue Stoffgruppen hinzukommen.

Fazit

Legal Highs grassieren in Gefängnissen in England und Wales. Sie werden dort für die massiv gestiegene Selbstmordrate verantwortlich gemacht. Die Briten reagieren mit speziell ausgebildeten Spürhunden und Drogentests, um der Epidemie Herr zu werden. Auch Deutschland schläft nicht und versucht die zunehmend beliebten Rauschmittel mit einem neuen Gesetz zu verbieten.