23 Jahre unschuldig im Gefängnis: Howard Dudley wieder ein freier Mann

23 Jahre war Robert Dudley wegen einer Falschaussage seiner Tochter unschuldig im Gefängnis 

23 Jahre war Robert Dudley wegen einer Falschaussage seiner Tochter unschuldig im Gefängnis 

Die amerikanische Zeitung The News & Observer berichtete Anfang März von Howard Dudley, einem Mann der aufgrund einer Falschaussage seiner Tochter wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde und deshalb 23 Jahre unschuldig im Gefängnis saß. Amy hat inzwischen ihre Aussage revidiert, weshalb Dudley seit Anfang März wieder ein freier Mann ist.

Der 59-jährige Dudley genießt die Freiheit

Nachdem er das Lenoir County Gefängnis verlassen durfte, warf der tief ergriffene Dudley seine Gefängniskleidung auf den Boden und streckte seine Arme in die Luft. Es waren seine ersten Schritte als freier Mann nach beinahe 24 Jahren Gefängnis.

Dudley scheint mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Obwohl er hinter Gittern als verurteilter Sexualstraftäter vermutlich einige schlechte Erfahrungen machen musste. Er spricht sogar von Vergebung und davon, dass er seine Tochter Amy bald wieder sehen wolle. Seine Mutter und seine Frau verstarben noch während seiner Zeit in Haft.

Der zu Unrecht Verurteilte versucht nun, sich an seine wiedergewonnene Freiheit und das Leben im Jahr 2016 zu gewöhnen. Fast Food und ein Wiedersehen mit seiner Familie standen zuerst auf dem Programm.

Verurteilt wegen Kindesmissbrauchs

Dudley wurde in einem Strafprozess im Jahr 1992 wegen Missbrauchs seiner 9-jährigen Tochter Amy Moore verurteilt. Die Zeugenaussage seiner Tochter war dem Vernehmen nach das einzige Beweismittel das ihn belastete. Moore ist inzwischen 33 Jahre alt.

Lehnte fragwürdigen Deal ab

Der nun freie Mann sagt, dass er 1992 einen Deal (sog. “plea deal” oder “plea bargaining”) mit der Staatsanwaltschaft ablehnte. Demnach wäre seine Strafe deutlich glimpflicher ausgefallen, wenn er die Tat gestanden hätte. Für Dudley kam das jedoch nie in Frage:

“I am not a child molester. I have never been one, and I will never be one.”

Verkettung unglücklicher Umstände führte zu seiner Verurteilung

Glaubwürdigkeit der Tochter

Die Tochter von Dudley leidet Gutachten zufolge an psychischen Problemen. Sie sei depressiv, habe Psychosen und Angstzustände. Ihre geistige Entwicklung sei zudem verzögert. Darüber hinaus gilt sie als leicht beeinflussbar. Gutachter bezweifeln deshalb heute die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage, die ihren Vater hinter Gitter brachte.

Überforderter Strafverteidiger

Eine tragische Rolle spielte auch Nick Harvey, der Strafverteidiger der Dudley 1992 vertrat. Harvey hatte vor diesem Mandat gerade einmal ein Jahr als Strafverteidiger praktiziert und den Prozess ungenügend vorbereitet. Er stellte keine Beweisanträge und zog keine Experten hinzu, die die Glaubwürdigkeit von Amy in Frage hätten stellen können.

Staatsanwaltschaft lehnt Aufhebung des Urteils ab

Die Staatsanwaltschaft argumentiert hingegen, dass Dudley keinen Anspruch auf ein “perfektes Verfahren” hatte, sondern nur auf ein “faires Verfahren”. Sie warnte Richter Parsons bis zuletzt das Urteil aufzuheben, das Dudley in einem fairen Verfahren für schuldig befand und wies darauf hin, dass Wahrheitserforschung wegen der verstrichenen Zeit erschwert sei:

“We are looking backwards through a hazy, distorted lens”

Fazit

Der Fall Dudley zeigt, dass eine Verkettung mehrerer Umstände selbst in einem Rechtsstaat schnell dazu führen kann, Opfer eines Justizirrtums zu werden. Der Familienvater hatte Glück. Viele andere nicht, die noch heute zu Unrecht inhaftiert sind. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch.