Dopingküchen in Hamburg ausgehoben. Und: Welche Rolle spielt die gefundene Menge?

Der Staatsanwaltschaft gelang ein großer Coup im Kampf gegen Doping

Der Staatsanwaltschaft gelang ein großer Coup im Kampf gegen Doping

In Hamburg wurden vom Zoll drei “Untergrundlabore” zur Herstellung von Dopingmitteln ausgehoben. Die Beamten beschlagnahmten Laborequipment das für die Herstellung von mehreren tausend Konsumeinheiten Anabolika gereicht hätte. Unter Tatverdacht stehen sieben Männer.

Die Beschuldigten gerieten durch den Kauf von Laborequipment unter Verdacht

Staatsanwaltschaft hatte die Täter schon länger im Auge

Der Zoll vollstreckte einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgericht (AG) München. Die Staatsanwaltschaft München hatte die Männer über Monate im Auge. Sie waren durch den Kauf von Laborzubehör über einen Onlineshop in Österreich aufgefallen.

Daneben fielen den Ordnungshütern als Beifang auch noch zwei Cannabisplantagen und 1,5 Kilogramm Marihuana in die Hände. Ein voller Erfolg für die Strafverfolgungsbehörden.

Die Anabolika sollten in Fitness-Studios an den Mann gebracht werden

Die anabolen Substanzen seien vermutlich nicht für den Profisport gedacht gewesen. Die Täter hatten wohl die übliche Fitness-Studio-Klientel im Auge.

Als einschlägige Straftat wird in den Medien u.a. der gewerbsmäßige Handel mit Dopingmitteln genannt. Es geht also um das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG). Falls Sie davon noch nie gehört haben, empfehle ich Ihnen diesen Artikel als Einstieg.

Eine verwirrende Formulierung

Auf der Website eines im Internet sehr präsenten Strafverteidigers wird über den Fall berichtet. Ein wenig auch zu Webezwecken, was absolut legitim ist. Was mir dabei ins Auge fiel ist dieser Satz im Zusammenhang mit dem Anti-Doping-Gesetz:

“[...] für Amateursportler [ist] der Erwerb und die Anwendung von Dopingmitteln nur strafbar, wenn sie in nicht geringen Mengen erworben oder besessen werden.”

Da wird scheinbar ein Zusammenhang zwischen Menge und Eigenkonsum hergestellt? Oder ist damit gemeint, dass ein Amateursportler die Dopingmittel bei einem anderen anwendet? Wenn die Menge nicht nur gering ist, wieso kommt spielt es dann eine Rolle, ob es sich um einen Amateursportler handelt? Oder überhaupt um einen Sportler, egal ob Profi oder Amateur?

Sicherlich handelt es sich nur um eine kleine Unschärfe bei der Formulierung. Vielleicht lese ich auch zu viel hinein. Es ist in jedem Fall ein schöner Anlass, mal wieder ein paar Basics zum AntiDopG zu erklären:

Grundlegende Differenzierung im Anti-Doping-Gesetz

Das Anti-Doping-Gesetz unterscheidet zwei Verbote grundlegend:

  • § 2: Verbot des unerlaubten Umgangs mit Dopingmitteln und der unerlaubten Anwendung von Dopingmethoden. Schon aus der Formulierung “Methoden” folgt, dass es hier um das Doping einer fremden Person geht. Als Täter kommen deshalb z.B. in Frage: Dopingarzt, Betreuer, Trainer.

  • § 3: Verbot des Selbstdopings. Erfasst werden Eigenkonsum sowie Erwerb und Besitz zum Zweck des Eigenkonsums. Hier geht es um die eigene Person. Als Täter kommt also nur der Sportler selbst in Frage. Daher der Name “Selbstdoping”.

Können sich Hobbysportler wegen Selbstdoping strafbar machen?

Die aus dem Verstoß gegen das Verbot resultierende Strafbarkeit des Selbstdopings betrifft allerdings nur Sportler, die (a) als Spitzensportler an einem Wettbewerb des organisierten Sports teilnehmen oder (b) aus der sportlichen Betätigung Einnahmen von erheblichem Umfang erzielen.1

Etwas platt kann man sagen, dass die Strafbarkeit des Selbstdopings den Spitzensport betrifft, wo es einen hohen Grad von Organisation gibt und auch Kohle verdient wird. Beides ist bei einem typischen Amateursportler wohl nicht der Fall.

Um es noch deutlicher zu sagen: Wenn der normale Fitness-Studio-Besucher Anabolika schluckt, um am Strand, im Freibad oder auf dem Pausenhof eine gute Figur zu machen ist das kein Fall für das Anti-Doping-Gesetz.

Mehr Details zur Strafbarkeit des Selbstdopings können Sie in diesem Beitrag nachlesen. Ein schönes Beispiel zu der oft anzutreffenden Fehlvorstellung, dass man sich als Hobbysportler wegen Selbstdoping strafbar machen könnte, liefert auch der “Rosenheimer Dopingfall”.

Können sich Hobbysportler wegen Erwerb und Besitz von Dopingmitteln (zum Eigenkonsum) strafbar machen?

Was Erwerb und Besitz von Dopingmitteln anbelangt kommt erst einmal der Sportler selbst als Täter in Frage. Wenn er vor hat die Mittelchen zu konsumieren um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen.

Erwerb und Besitz sind in diesem Fall eine Vorbereitung zum späteren Selbstdoping. Das entsprechende Verbot findet sich daher auch in § 3 und nicht in § 2 des AntiDopG. Die im vorigen Abschnitt (”Können sich auch Hobbysportler wegen Selbstdoping strafbar machen?”) erläuterten Voraussetzungen müssen deshalb auch hier gegeben sein.

Daraus folgt: Wenn der normale Fitness-Studio-Besucher Anabolika erwirbt oder besitzt um diese selbst zu schlucken und damit am Strand, im Freibad oder auf dem Schulhof eine tolle Figur zu machen, ist das ebenfalls kein Fall für das Anti-Doping-Gesetz.

Erwerb und Besitz von Dopingmitteln in nicht geringer Menge

Wozu sollte man einen 10-Jahres-Vorrat an Dopingmitteln beschaffen wenn man nur vorhat, diese selbst zu konsumieren? Eher unwahrscheinlich. So denkt auch der Gesetzgeber. Sitzt man also auf einer zu großen Menge Dopingmittel, hilft auch die Ausrede nicht mehr, dass man die Substanzen selber nehmen wollte um Muskeln aufzubauen.

Wer die Schwelle der nicht geringen Menge beim Erwerb/Besitz von Dopingmitteln überschreitet, verletzt das Verbot des § 2 Absatz 3 AntiDopG. Eine Strafbarkeit liegt vor. Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Die Schwellenwerte ergeben sich aus der Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV).

Zusammenfassung: Welche Rolle spielt die Menge?

Angenommen die Staatsanwaltschaft findet Dopingmittel. Welche Rolle spielt die Menge für die Frage ob man sich nach dem Anti-Doping-Gesetz strafbar gemacht hat?

Ist die gefundene Menge zu groß, macht man sich strafbar. Der Einwand, dass man die Substanzen selbst nehmen wollte, hilft auch nicht mehr. Das hat nichts damit zu tun, dass einem nicht geglaubt wird. Es ergibt sich schlicht aus dem Gesetz, dass eine Strafbarkeit vorliegt. Man gilt kraft Gesetzes als Dealer/Händler. (Einfach ausgedrückt.)

Ist die gefundene Menge gering macht man sich nur strafbar, wenn man vor hatte die Substanzen im Spitzensport zu nehmen (bzw. um aus der sportlichen Betätigung Einnahmen von erheblichem Umfang erzielen). Bei Hobbysportlern ist das nicht der Fall.


  1. Das folgt aus § 4 Absatz 7 AntiDopG.