England verpasst 15-jährigem Straftäter GPS-Tracker wegen Wiederholungsgefahr

Das Gerät ähnelt einem Fitness-Armband und ist mit einem GPS-Sender ausgerüstet.

Das Gerät ähnelt einem Fitness-Armband und ist mit einem GPS-Sender ausgerüstet.

In England wird ein jugendlicher Straftäter erstmals gezwungen, einen GPS-Tracker zu tragen. Das Gerät erlaubt der Polizei eine 24-Stunden-Überwachung. Das meldet die englische Tageszeitung “The Independent”. Die Behörden hoffen, dass er so von weiteren Straftaten abgehalten wird. Eine schöne Möglichkeit der Justiz, von einer viel einschneidenderen Inhaftierung abzusehen. Aber auch kein Allheilmittel.

Ein Novum

Normale elektronische Fußfesseln

In England werden in vergleichbaren Fällen bislang für gewöhnlich Funksender am Körper von Straftätern angebracht, die mit einer kleinen Empfangsstation im der Wohnung kommunizieren.

Verletzt der Kriminelle eine Ausgangssperre indem er zu spät nach Hause kommt bzw. zu einer nicht erlaubten Zeit seine vier Wände verlässt, meldet die Empfangsstation dies an die Polizei.

Zweck: Die einfache Kontrolle, ob eine verhängte Ausgangssperre befolgt wird.

GPS-Sender

Eine andere Variante, die auch im Fall des 15-Jährigen zum Einsatz kommt, ist ein GPS-Sender den der Straftäter tragen muss. Das Gerät ähnelt einer Fitness-Armbanduhr.

Solch ein Sender erlaubt es der Polizei, rund um die Uhr per Satellit den Aufenthaltsort des Trägers ermitteln zu können. Das ist eine Verschärfung gegenüber dem Funksender.

Zweck:

  • reduziert die Wiederholungsgefahr. Da der Träger weiß, dass die Strafverfolgungsbehörden jederzeit seinen Aufenthaltsort nachvollziehen können, wäre der Träger bei einer neu begangenen Straftat schnell zu überführen. Da die Gefahr überführt zu werden extrem hoch ist, liefert dies einen starken Anreiz, von der Begehung einer neuen Straftat abzusehen.

  • auch: Überwachung von Ausgangssperren und sonstigen Auflagen

Erstmals bei Jugendlichem eingesetzt

Neu ist, dass die GPS-Variante bei einem Jugendlichen eingesetzt wird. Der 15-Jährige beging eine Serie von Straftaten (darunter Eigentumsdelikte bis hin zum Raub) in Oxford und Didcot, wegen der er rechtlich belangt wurde. Er setzte sich aber über die gegen ihn verhängten Auflagen hinweg und wurde erneut straffällig, indem er ein Mädchen auf offener Straße mit einer Scheinwaffe bedrohte. Der GPS-Tracker ist vermutlich seine letzte Chance, dem Arrest zu entkommen.

Milderes Mittel

Weniger einschneidend im Vergleich zur Inhaftierung

Die Befürworter der GPS-Überwachung sagen, dass diese es auch bei Straftätern mit einer hohen Gefahr erneuter Straffälligkeit dennoch ermöglicht, von einer Inhaftierung des Täters abzusehen. Ein milderes Mittel gegenüber der Haft. Und möglicherweise auch ein Beitrag zur Resozialisierung, da die Technik eine relativ normale Teilnahme am Alltag gestattet.

Nicht jeder wägt rational ab

Dagegen lässt sich argumentieren, dass die Allgemeinheit bei Intensivtätern möglicherweise auch durch die GPS-Technik nicht ausreichend geschützt ist. Denn der Pluspunkt des GPS-Senders im Hinblick auf die Prävention neuer Straftaten unterstellt, dass der Verurteilte rational abwägt und entscheidet, dass die Gefahr, dass er als Täter überführt wird, zu hoch ist. In manchen Einzelfällen (Stichwort: notorischer Intensivtäter) erwartet man insofern vielleicht zu viel an rationaler Überlegung. Also ist der GPS-Tracker zumindest kein Allheilmittel.

Chance auf Resozialisierung wirklich verbessert?

Das ist zugleich ein Kritikpunkt am Gedanken der verbesserten Resozialisierung. Solange der Straftäter den GPS-Sender trägt, fällt es ihm sicherlich wesentlich leichter, keine neuen Straftaten zu begehen. Ist die Bewährungsstrafe aber verbüßt und der lästige GPS-Tracker weg, sieht die Sache vielleicht anders aus. Sicherlich wird dadurch nicht jeder Einzelne Kriminelle langfristig “gebessert”.

Fazit

Der Fall zeigt, dass der Einsatz moderner Technik auch für den Strafvollzug große Chancen bietet. Auch wenn das Ganze ein klein wenig an den Film “Minority Report” erinnert, stellt der GPS-Tracker doch ein wesentlich milderes Mittel als die Inhaftierung dar. ein Allheilmittel ist diese Totalüberwachung aber auch nicht.