Kansas will Fehler beim Zeugenbeweis eindämmen

Zeugen gehören bekanntermaßen zu den wackeligsten Beweismitteln, die der Strafprozess zu bieten hat.

Zeugen gehören bekanntermaßen zu den wackeligsten Beweismitteln, die der Strafprozess zu bieten hat.

Kürzlich wurde in Kansas ein von allen Parteien unterstütztes Gesetz beschlossen, welches Fehler beim Zeugenbeweis bekämpfen soll (siehe hier). Kern der Reform sind Empfehlungen, sogenannte “best practices”, die die Identifizierung von Unschuldigen durch Zeugen verhindern könnten.

Empfehlenswerter Aufbau einer Lichtbildvorlage bzw. Gegenüberstellung

Die Richtlinien sind vom Wortlaut her auf Gegenüberstellungen ausgelegt. Sie lassen sich aber auch auf die in Deutschland übliche Wahllichtbildvorlage übertragen. Ein Auszug aus den Empfehlungen1:

  • Der den Zeugen beim Identifizierungsvorgang begleitende Beamte soll nicht wissen, wer der Verdächtige ist. Fall dies nicht praktikabel ist, sollen die gezeigten Personen “durchgemischt” und verhindert werden, dass der Beamte die neue Anordnung kennt. Durch diese Maßnahmen soll ausgeschlossen werden, dass der Polizeibeamte dem Zeugen - wenn auch nur unbeabsichtigt durch seine Körpersprache - suggeriert, wer “der Richtige” ist.

  • Zeugen sollten angewiesen werden, dass der Täter nicht unbedingt unter den gezeigten Personen ist. Und dass die Ermittlungen fortgeführt werden, auch wenn niemand identifiziert wird.

  • Gezeigte Personen die nicht verdächtig sind, sollen der Täterbeschreibung ähneln.

  • Am Ende der Prozedur soll der Zeuge beschreiben, wie sicher er sich bei seiner Auswahl ist; dies soll der Beamte dokumentieren.

Zeugenbeweis als Fehlerquelle Nummer eins

Umsetzen soll die neuen Empfehlungen insbesondere die Polizei. Die Richtlinien gehen auf Untersuchungen von führenden Experten auf diesem Gebiet zurück.

Auswertungen von Fehlurteilen haben ergeben, dass der Zeugenbeweis besonders unsicher ist. Die fehlerhafte Identifikation von Augenzeigen spielte eine Rolle in 242 der 341 Fehlurteile, die durch den modernen DNA-Beweis neu aufgerollt werden konnten. Das entspricht 71 Prozent.2


  1. eigene Übersetzung, Originaltext in der Quelle abrufbar

  2. Stand 11. Juli 2016; die aktuellen Zahlen können hier abgerufen werden: http://www.innocenceproject.org/dna-exonerations-in-the-united-states/