Feel the Bern - Bernie Sanders im Portrait

“Feel the Bern” - so lautet der clevere Slogan der Kampagne des Demokraten Bernie Sanders. Dieser will noch dieses Jahr ins Weiße Haus einziehen. Zuvor muss er im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur allerdings noch seine parteiinterne Konkurrentin Hillary Clinton ausstechen. Wie “Bernie” tickt, was er über die Todesstrafe denkt und warum er gegen das politische Schwergewicht Clinton durchaus Chancen hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Bernie Sanders nennt sich selbst "demokratischer Sozialist" und ist der einzige strikte Gegner der Todesstrafe im Wahlkampf.

Bernie Sanders nennt sich selbst "demokratischer Sozialist" und ist der einzige strikte Gegner der Todesstrafe im Wahlkampf.

Ein bunter Werdegang

Sanders gehört zum Jahrgang 1941. Aber er hat nicht nur wegen seines fortgeschrittenen Alters viel erlebt. Sein Lebenslauf ist derart abwechslungsreich und interessant, dass er auch ohne seine langjährige politische Karriere sicherlich eine gute Unterhaltung beim Abendessen wäre. Dies unterscheidet ihn von seinen Konkurrenten.

Hier einige Auszüge aus seinem Werdegang:

  • geboren in Brooklyn im Jahr 1941 als Sohn eines jüdischen Einwanderers

  • aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen

  • genoss keine elitäre Ausbildung, sondern besuchte öffentliche Schulen und die University of Washington

  • nahm an der Bürgerrechtsbewegung teil, demonstrierte gegen Rassentrennung

  • Abschluss in Politikwissenschaften

  • Hatte zahlreiche Jobs, arbeitete u.a. als Zimmermann und in der Psychiatrie

  • In den 60er Jahren zog er nach Vermont. Manche vermuten, dass er dort Teil der Hippie-Bewegung wurde. Er selbst ist dagegen bemüht, das dortige Landleben herauszustellen.

  • aktiv in der Liberty Union Party; progressiv und Teil der Gegenbewegung

  • wurde Bürgermeister von Burlington und dreimal wiedergewählt

  • wurde 1990 ins Repräsentantenhaus gewählt und sechsmal von den Wählern bestätigt

  • seit 2007 im US-Senat als Vertreter von Vermont

Politische Überzeugungen

“Demokratischer Sozialist”

Sanders bezeichnet sich selbst als “democratic socialist”. Dazu sollte man wissen, dass in den USA das Wort “Sozialist” einen ziemlich abfälligen Beigeschmack hat. Anders als für uns Europäer.

Sanders selbst versteht darunter insbesondere:

  • freier Zugang zum Gesundheitssystem

  • freier Zugang zu Kinderbetreuung

  • freier Zugang zu Universitäten

  • eine Regierung die frei ist von finanzieller Einflussnahme durch große Konzerne und reiche Bürger

  • Bekämpfung der Einkommensschere

Mit diesen Forderungen ist er für amerikanische Verhältnisse geradezu revolutionär eingestellt. Kaum auszudenken wie er die politischen Gegebenheiten in den USA auf den Kopf stellen würde, wenn er es tatsächlich ins Weise Haus schaffen sollte.

Übrigens war Sanders nicht immer Teil der “Demokraten”, also der Democratic Party. Die meiste Zeit seiner politischen Karriere war er politisch unabhängig.

Todesstrafe

Sanders ist, anders als Clinton, gegen die Todesstrafe. In einer TV-Debatte mit seiner Kontrahentin begründete er seinen Standpunkt so:

  • in der Vergangenheit gab es zu viele Hinrichtungen Unschuldiger

  • der Staat selbst sollte nicht selbst Teil der Tötens werden, selbst angesichts grausamer Straftaten

  • der Staat sollte sich darauf beschränken die betroffenen Straftäter wegzuschließen

Grassroots Kampagne

“Bernie” nennen ihn seine Anhänger nur. Er gibt sich volksnah und verfolgt eine grassroots campaign unter dem Slogan “feel the Bern”. Das lässt sich wenig schön als Grasswurzelkampagne übersetzen. Letztlich geht es um Arbeit an der Basis. Damit hatte schon Barack Obama großen Erfolg (”yes we can”).

Sanders legt großen Wert darauf, seine Kampagne ganz überwiegend mit Mitteln aus dem Bürgertum zu finanzieren. Er setzt auf die kleinen Leute, bei denen er sehr populär ist. Im vierten Quartal konnte Sanders über 33 Millionen US-Dollar auftreiben. 70% davon kam von Spenden die nicht höher als 200 US-Dollar waren.

Größter Trumpf: die “Wut auf Washington”

Wer würde nach allem was jetzt bekannt ist vermuten, dass Sanders eine große Gemeinsamkeit hat mit Donald Trump? Nein, das soll jetzt keine Anspielung auf die Vorliebe für absurde Frisuren sein. Ich meine etwas anderes.

Beide eint, dass ihnen die “Wut auf Washington” in die Karten spielt. Damit ist die Frustration vieler Wähler über die Regierung und die etablierten Parteien gemeint. Und die zugrunde liegende Zukunftsangst, die viele Wähler umtreibt.

Sanders geht geschickt um mit dieser Politikverdrossenheit. Er spricht davon, Washington wieder volksnah zu machen und zu befreien von einer (behaupteten) Interessenpolitik für die oberen ein Prozent der Bevölkerung (“government of the billionaires, by the billionaires, and for the billionaires”).

Fazit

Bernie for president? Sanders ist auf den ersten Blick der große Außenseiter gegen die politische Großmacht Clinton. Aber gerade das bringt ihm Zuspruch. Es ist sein größter Trumpf. Ich tippe auf Sanders vor Clinton.

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Hier geht es zu dem kürzlich im Strafjournal erschienen Artikel über Ted Cruz und seine Leidenschaft für die Todesstrafe.