Erste Verurteilungen wegen Genitalverstümmelungen in Australien

Das australische Gericht verurteilte die drei Angeklagten wegen zwei Genitalverstümmelungen zu Freiheitsstrafen.

Das australische Gericht verurteilte die drei Angeklagten wegen zwei Genitalverstümmelungen zu Freiheitsstrafen.

Im ersten Strafprozess um Genitalverstümmelungen in Australien hat ein Gericht ein viel beachtetes Urteil gefällt (siehe “The Guardian”). Dem Verfahren lag die religiös motivierte Verstümmelung von zwei zur Tatzeit 7-jährigen Mädchen zugrunde.

Die Jury befand die drei Angeklagten, unter ihnen die Mutter, für schuldig. Sie wurden zu einer Freiheitsstrafe von jeweils 15 Monaten verurteilt. Das Urteil setzt einen rechtlichen Schlusspunkt unter den Fall, der durch erste Befragungen der Mädchen bereits im Jahr 2012 losgetreten wurde.

Die drei Angeklagten gehören zu einer Sekte

Angeklagte Nr. 1 war die inzwischen 72-jährige Geburtshelferin Kubra Magennis. Sie hat die Genitalverstümmelung durchgeführt.

Angeklagte Nr. 2 war die Mutter der beiden Mädchen, deren Name nicht bekannt wurde. Sie hat Magennis zu der Verstümmelung angewiesen.

Schließlich musste sich auch Shabbir Mohammedbhai Vaziri als dritter Angeklagter verantworten, ein Geistlicher. Er hat bei einer missglückten Vertuschungsaktion geholfen.

Alle drei Angeklagten werden mit der “Dawoodi Bohra community” in Verbindung gebracht. Dawoodi Bohra ist eine in Afrika und Asien anzutreffende religiöse Gemeinschaft die zum Schia Islam gehört. Wikipedia bezeichnet Dawoodi Bohra als eine Sekte.

Tochter schloss die Augen und sollte sich vorstellen, eine “Prinzessin” zu sein

Kubra Magennis hat nach Auffassung des Gerichts zwischen 2009 und 2012 in Australien die Genitalverstümmelungen an den damals jeweils siebenjährigen Mädchen begangen.

Die ältere Tochter sagte im Strafverfahren aus, dass sie von der Hüfte abwärts nackt auf dem Bett lag. Ihr wurde gesagt, dass sie sich vorstellen sollte eine Prinzessin zu sein. Sie schloss die Augen, als ihre Klitoris im Beisein ihrer Mutter und Großmutter entfernt wurde. Die Großmutter zitierte währenddessen aus dem Koran.

Überführung komplizierter als gedacht

Medizinisches Gutachten liefert kein eindeutiges Ergebnis

Medizinische Gutachten konnten die Genitalverstümmelung nicht zweifelsfrei nachweisen. Bei der schmerzhaften Prozedur blieben keine Narben zurück.

Aussage der verstümmelten Tochter entscheidend

Die Beschuldigten haben zudem bis zuletzt alles abgestritten. Magennis behauptete, dass sie die Mädchen nur mit einer Pinzette “symbolisch” berührt habe, um eine Genitalbeschneidung lediglich anzudeuten.

Auch die Großmutter konnte keine sachdienlichen Angaben machen. Sie gab vor Gericht an, dass sie zu alt sei und sich nicht erinnern könne. Sie sei darüber hinaus zu sehr mit dem Zitieren des Koran beschäftigt gewesen.

Die Angaben von Magennis standen im Widerspruch zu der Aussage der ältesten Tochter, die per Videovernehmung in den Gerichtssaal geschaltet wurde. Das Mädchen war erkennbar bemüht alle Fragen richtig zu beantworten und schilderte, eine Art Schere gesehen zu haben.

Die Mutter vergrub vor Scham ihr Gesicht hinter ihren Händen, als ihre Tochter auf dem Bildschirm aussagte.

Märchenstunde der Beschuldigten wurde durch Lauschangriff verhindert

Die Angeklagten machten sich zudem unglaubwürdig, indem sie sich vor dem Strafprozess eine Lügengeschichte ausdachten. Sie wollten dem Gericht auftischen, dass es sich bei der Prozedur in Australien nur um eine Untersuchung gehandelt habe, während die eigentliche Verstümmelung in Afrika durchgeführt worden sei.

Diese Absprache zwischen den Beschuldigten wurde aber aufgedeckt, da die Polizei nach ersten Vernehmungen umfassende Abhörmaßnahmen durchführte. So wurden unter anderem Telefonleitungen angezapft. Hierdurch flog alles auf. Dabei wurde auch mitgehört, wie sie sich über das australische Verbot von Genitalverstümmelungen lustig machten.

Die Angeklagten zeigten vor Gericht keine Reue und trugen nur fadenscheinige Entschuldigungen vor.

Genitalverstümmelungen als globale Herausforderung

Weibliche Genitalverstümmelung wird auch als weibliche Genitalbeschneidung oder female genital mutilation (FGM) bezeichnet. Man versteht darunter die Entfernung oder Beschädigung weiblicher Geschlechtsorgane. Sie findet überwiegend in einzelnen Gegenden in Afrika und Asien statt.

Sie wird in der Regel an Frauen im Säuglings- oder Kindesalter durchgeführt. Es gibt aber auch Verstümmelungsfälle bei erwachsenen Frauen.

Der Hauptgrund für die Durchführung von FGM liegt oftmals in traditionellen Gebräuchen oder in einer religiösen Motivation. Sie ist schmerzhaft und führt häufig zu medizinischen Komplikationen wie Infektionen bis hin zum Tod. Darüber hinaus ruft die qualvolle Prozedur in vielen Fällen psychische Probleme hervor.

Schätzungen zufolge sind von dieser Praxis weltweit rund 140 Millionen Mädchen und Frauen betroffen. In Deutschland geht man davon aus, dass hier über 20.000 Frauen leben, die eine Genitalverstümmelung erlitten haben.

Zahlreiche Organisationen haben sich den Kampf gegen FGM auf die Fahnen geschrieben. So etwas UNICEF, Terre des Femmes oder auch Vereine auf lokaler Ebene.

Zusammenfassung

Der erste australische Strafprozess wegen Genitalverstümmelungen ist beendet. Er führte zur Verurteilung aller drei Angeklagten.