Fahrlässige Tötung: Restaurant servierte einem Allergiker erdnusshaltiges Gericht

Gastronomen und Restaurant-Manager müssen unbedingt darauf achten, alle Zutaten richtig zu deklarieren und nur gut geschultes Personal zu beschäftigen. Das gilt auch für Deutschland.

Gastronomen und Restaurant-Manager müssen unbedingt darauf achten, alle Zutaten richtig zu deklarieren und nur gut geschultes Personal zu beschäftigen. Das gilt auch für Deutschland.

Eine Pressemeldung des Crown Prosecution Service (CPS) - der “englischen Staatsanwaltschaft” - ließ mich gestern aufhorchen. Demnach wurde ein Restaurantbesitzer wegen der Tötung eines Gastes zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Dem Mann wurde seine Erdnussallergie zum Verhängnis. Und die Rücksichtslosigkeit des Gastronomen. Das Urteil sollte auch deutschen Restaurantinhabern eine Warnung sein.

Gast litt unter Erdnussallergie

Der 38-jährige Paul Wilson war seit seiner Kindheit Allergiker. Aufgrund seiner Erdnussallergie verlangte er bei der Bestellung explizit, dass sein Gericht “no nuts” enthalten solle - keine Nüsse!

Er dürfte vor dem Verzehr besonders beruhigt gewesen sein als er sah, dass die Bedienung sogar “no nuts” auf seiner Bestellung notiert hatte. Die Speisekarte des Restaurant Indian Garden in North Yorkshire ließ zudem darauf schließen, dass das bestellte “Chicken Tikka Masala”, ein indisches Curry-Gericht, keine Erdnüsse enthielt.

Nach dem Genuss seiner Mahlzeit brach Paul Wilson aber zuhause auf seiner Toilette zusammen. Er erlitt eine derart schwere Reaktion seines Immunsystems, dass jede Rettung zu spät kam (anaphylaktischer Schock).

Der Gastronom verwendete das billigere Erdnusspulver um Kosten zu sparen

Das Personal scherte sich offenbar nicht um Allergie-Hinweise

Ermittlungen nach dem Tod von Wilson ergaben, dass sein Gericht Erdnüsse enthielt. Einen Tag nach seinem Tod bestellte ein Testkäufer der Polizei ebenfalls ein Curry-Gericht. Explizit verlangte er danach, dass die Speise keine Nüsse enthalten dürfe. Eine Analyse des ausgegeben Essens ergab aber, dass es Erdnüsse enthielt.

Außerdem wurde Erdnusspulver in der Küche des Takeaway-Restaurants gefunden. Untersuchungen haben ergeben, dass dieses auch andere Zutaten kontaminiert hatte.

Restaurantleiter versuchte Kosten zu sparen

Dem Restaurantbesitzer Mohammed Zaman wurde von der Staatsanwaltschaft die besondere Rücksichtslosigkeit (engl.: ”gross negligence”) seines Verhaltens nachgewiesen.

Er versuchte an allen Stellen Kosten zu sparen und dafür war ihm jedes Mittel Recht. So verwendete er in seinen Rezepten statt Mandelpulver ein viel billigeres Erdnusspulver. Er beschäftigte zudem äußerst schlecht ausgebildetes Personal. Zum Teil handelte es sich dabei um illegal Beschäftigte.

Im Laufe des Strafverfahrens kam heraus, dass er über 300.000 Pfund Schulden hatte.

Weitere Vorfälle blendete der rücksichtslose Wirt aus

Es war nicht der einzige Vorfall dieser Art. Wenige Wochen vor dem Tod von Pauly Wilson gab es in einem anderen Restaurant des Gastronomen einen ähnlichen Vorfall.

Eine Teenagerin erlitt ebenfalls eine schwere allergische Reaktion auf eine Speise, kam jedoch zum Glück mit einem Krankenhausaufenthalt vergleichsweise glimpflich davon. Auch dieser Allergikerin wurde Versprochen, dass ihr Essen keine Nüsse enthalte. Zaman ignorierte diesen Zwischenfall tatt ihn sich als Warnung zu Herzen zu nehmen.

"Time and again he ignored the danger and did not protect his customers. The evidence will establish that Mohammed Zaman put profit before safety and that he cut corners at every turn." Staatsanwalt Richard Wright über den Angeklagten via “The Telegraph”.

Grobe Fahrlässigkeit

In den Gerichtssälen des Teesside Crown Court befand die Jury den Gastronom aufgrund dieser Umstände der (grob) fahrlässigen Tötung für schuldig (”gross negligence manslaughter”). Er verletzte seine Sorgfaltspflichten und verursachte in zurechenbarer Weise den Tod von Paul Wilson. Der rücksichtslose Gastwirt stellte dabei seine eigenen Profitgier über die Sicherheit seiner Gäste.

Der Richter verhängte eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren. Das ist eine ganze Menge, aber angesichts der Skupellosigkeit die hier an den Tag gelegt wurde doch nachvollziehbar.

Exkurs: Gross Negligence Manslaughter

Gross negligence manslaughter kann als fahrlässige Tötung beschrieben werden. Hauptvoraussetzung für eine Verurteilung ist die grob fahrlässige (gross negligent) Verletzung einer Sorgfaltspflicht (duty of care). Der CPS beschreibt einen 4-stufigen Test auf seiner Webseite:

  1. Feststellung einer Sorgfaltspflicht

  2. Verletzung dieser Sorgfaltspflicht

  3. Verursachung des Todes

  4. Die Sorgfaltspflichtverletzung muss ihrem Charakter nach grob fahrlässiger Art sein.

Zusammenfassung

Das Urteil lässt aufhorchen und sollte auch deutschen Restaurantbetreibern eine Warnung sein. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung wäre in diesem Fall auch von einem Strafgericht in Deutschland zu erwarten gewesen. Es muss unbedingt sichergestellt werden, dass alle lebensmittelrechtlichen Deklarationen auf der Speisekarte ordnungsgemäß erfolgen. Das Personal muss gut geschult sein und mit Sonderwünschen von Allergikern sicher umgehen können.