Crown Prosecution Service geht gegen sexuelle Belästigung in sozialen Medien vor

Die englische Staatsanwaltschaft lässt sich von Twitter helfen.

Die englische Staatsanwaltschaft lässt sich von Twitter helfen.

Der englische Crown Prosecution Service (CPS = “englische Staatsanwaltschaft”) geht jetzt mit Unterstützung von Twitter gegen sexuelle Belästigung und weitere missbräuchliche Verhaltensweisen in sozialen Medien vor. Zugleich werden die internen Richtlinien zu den via sozialen Medien begangenen Straftaten überarbeitet. Dies ist auf die epidemieartig Verbreitung von Revenge Porn usw. in jüngster Zeit zurückzuführen.

Twitter berät Staatsanwaltschaft

Die englische Strafverfolgungsbehörde meint es ernst und lässt sich sogar von Twitter-Mitarbeitern beraten. Eine Vertreterin des CPS sagt über die Hilfe des Social-Media-Giganten:

 “Social media is increasingly being used as a tool against women and I think it is really positive that Twitter is going to be training our lawyers in the months ahead”

Revenge Porn, Grooming & Co.

Hintergrund sind zunehmende Beschwerden über den Missbrauch von sozialen Medien. Insbesondere Frauen stehen dabei im Fokus der Täter. Jedoch gehören auch Männer zu den Opfern. Um folgende “Taktiken” geht es:

Revenge Porn

Unter Revenge Porn (”Rachepornos”) versteht man die Veröffentlichung von privaten Sex-Filmen und Nacktbildern aus Rache. Typischerweise wird das aus dem heimischen Schlafzimmer stammende Material von einem/einer “Ex” ins Internet gestellt, um das Opfer bloßzustellen und damit die eigenen Rachegelüste zu befriedigen.

Oft geht es sogar um Bildmaterial, welches heimlich und ohne Wissen des Opfers aufgenommen wurde. In den USA wird ebenfalls mittlerweile massiv gegen Revenge Porn vorgegangen.

Grooming

Unter Grooming versteht man das “Heranmachen” an eine andere Person über soziale Medien, mit dem Ziel später sexuelle Handlungen durchzuführen.

Häufig geht es um Täter die gezielt** versuchen Kinder in Chatrooms oder über Facebook etc. anzusprechen, um bei späteren Treffen sexuellen Missbrauch zu verüben** oder Kinderpornografisches Material anzufertigen. In Deutschland wird Grooming im Rahmen von § 176 Abs. 4 Nr. 3 Strafgesetzbuch (StGB) diskutiert.

Sexting

Ganz grob versteht man dadurch das Versenden von Kurznachrichten mit sexuellem Inhalt wie Dirty Talk oder Bildmaterial. Meist werden Messenger-Dienste wie WhatsApp, Facebook Messenger, MMS o.ä. eingesetzt.

Cyber-blackmailing

Hierunter versteht man ein erpresserisches Vorgehen, bei dem kompromittierendes Material an das Opfer gesendet wird. Die Nachricht wird verbunden mit der Androhung, das Material zu veröffentlichen falls nicht z.B. eine Summe X gezahlt wird (alternativ wird auch versucht, sexuelle Handlungen zu erzwingen).

Fake-Profile

Unechte Profile sind ein längst bekanntes Phänomen in sozialen Medien. Eine Grenze wird aber überschritten, wenn ein Profil unter dem Namen einer anderen Person veröffentlicht wird, um mit hierüber gestreuten Informationen gezielt ein rufschädigendes, falsches Bild über den eigentlichen Namensinhaber zu erzeugen.

Der Fall Jason Lawrence

Immer wieder ist in diesem Zusammenhang in den englischen Medien auch von dem Fall des 50-jährigen Jason Lawrence zu lesen. Der Mann aus dem englischen Hampshire benutzte die Dating-Plattform match.com um Frauen zu kontaktieren. Er vergewaltigte fünf seiner Internetbekanntschaften, die er über diese bekannte Plattform gezielt ausspionierte und bei Dates angriff.

CPS überarbeitet Social Media Guidelines

Der CPS überarbeitet aktuell seine noch aus dem Jahr 2012 stammenden Richtlinien über die Verfolgung von über soziale Meiden begangene Straftaten (Social Media Guidelines) um mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten.

Alison Saunders, die Leiterin des CPP (Director of Public Prosecutions, DPP) sagt dazu:

"Online communication is developing at such a fast pace, new ways of targeting and abusing individuals online are constantly emerging. We are seeing more and more cases where social media is being used as a method to facilitate both existing and new offences.”

Die vorläufig überarbeiteten Richtlinien sind bereits öffentlich auf der Homepage des CPS abrufbar. Die vorgeschlagenen Änderungen sind aber noch nicht endgültig. Derzeit findet noch eine zehnwöchige Konsultation statt.

Zusammenfassung

Die englische Staatsanwaltschaft geht jetzt massiv gegen zum Teil neuartige Straftaten vor, die über soziale Medien verübt werden. Sie lässt sich dabei von Twitter beraten und überarbeitet ihre Richtlinien, um mit den beunruhigenden missbräuchlichen Entwicklungen in sozialen Meiden Schritt zu halten.

Hier geht es zum kürzlich erschienen Beitrag im Strafjournal, in dem alles Wissenswerte über die englische Staatsanwaltschaft, den CPS, steht.

*Updates*

21. März 2016 - einen interessante Aufsatz zur Strafbarkeit von Revenge Porn in den USA gibt es hier. Der Titel lautet “Turn Your Cameras Off in the Bedroom: 'Revenge Porn' Is Now a Felony in Louisiana”. Dabei geht es um ein Gesetz in Louisiana, das gegen diese Unsitte vorgeht.