England testet Videoaufzeichnung von Strafprozessen

England und Wales testen bald Video-Aufnahmen von Strafprozessen

England und Wales testen bald Video-Aufnahmen von Strafprozessen

Laut einer Presseerklärung des Ministry of Justice (Justizministerium) startet bald in mehreren Gerichten in England und Wales ein Versuch, der eine kleine Revolution für Strafprozesse bedeuten könnte. Demnach werden in mehreren Gerichtssälen erstmals Videos von Teilen des Gerichtsverfahrens angefertigt. Dies soll die Transparenz des Rechtssystems fördern. Bisher waren in England Videoaufnahmen nur beim Court of Appeal sowie dem Supreme Court gestattet.

Zunächst begrenzt: Nur Urteilsbegründung und der Richter

Die Kameras dürfen nur sog. sentencing remarks (Urteilsbegründungen) aufnehmen und nicht das vorangegangene Prozessgeschehen. Außerdem dürfen nur Richter gefilmt werden. Das heißt: Angeklagter, Verteidiger, Zeugen und Staatsanwaltschaft werden vorerst nicht in das Licht der Öffentlichkeit rücken.

Zunächst wird zudem auf eine Live-Übertragung verzichtet. Aber sieht ein wenig danach aus als wäre dies nur der nächste Schritt im Bemühen des Justizapparates um mehr Transparenz.

Hohe Erwartungen

Justizminister Shailesh Vara sagt zu den Neuerungen:

“My hope is that this will lead to more openness and transparency as to what happens in our courts.

Broadcasting sentencing remarks would allow the public to see and hear the judge’s decision in their own words.”

Lord Chief Justice Thomas Cwmgiedd scheint ebenfalls hohe Erwartungen zu haben:

“I am interested to see how this pilot progresses and will work with the Ministry of Justice to assess the impact of cameras in court”

Clive Coleman, Korrespondent der BBC, erwartet zudem, dass die Videoaufnahmen das Verständnis der Allgemeinheit für die Komplexität einer Urteilsfindung fördern könnten.

Berühmte Prozesse als Vorbilder

Denkt man an Live-Bilder aus Strafprozessen hat man fast zwangsläufig den Strafprozess vor Augen, in dem O.J. Simpson angeklagt war und schließlich freigesprochen wurde:

Die Reaktion von O.J. Simpson wurde bei der Urteilsverkündung live auf die Bildschirme der Zuschauer im ganzen Land übertragen.

Aus jüngster Vergangenheit ist auch der Prozess gegen Oscar Pistorius zu nennen, der ebenfalls stundenlang live übertragen wurde.

Der Strafprozess gegen Oscar Pistorius wurde in epischer Breite live übertragen

Teilnehmende Gerichte

Der Testlauf ist auf den berühmten “Old Bailey” und Gerichte in Southwark, Manchester, Birmingham, Bristol, Liverpool, Leeds und Cardiff beschränkt. Fernsehanstalten wie BBC sollen dabei unterstützend tätig werden, wodurch der Öffentlichkeit keine Kosten entstehen sollen. Der Versuch soll zunächst für drei Monate laufen.

Zusammenfassung

Der Strafprozess in England wird bald transparenter. In Kürze startet ein Pilot, der Videoaufnahmen aus dem Gerichtssaal ermöglicht. Auch wenn vorerst nur der Richter bei der Urteilsbegründung gefilmt werden darf, bedeutet dies doch eine kleine Revolution und ebnet womöglich den Weg für weitere Innovationen.