England: besorgniserregender Zuwachs an Straftaten gegen Frauen und Mädchen

PC, Laptop oder Smartphone: viel mehr braucht es im Internetzeitalter nicht um jemanden das Leben zur Hölle zu machen.

PC, Laptop oder Smartphone: viel mehr braucht es im Internetzeitalter nicht um jemanden das Leben zur Hölle zu machen.

Strafverfahren die die Gewalt gegen Frauen und Mädchen betreffen sind in England und Wales auf neues Rekordhoch geklettert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind die Strafverfolgungen in diesem Bereich um beinahe 10 Prozent gestiegen auf eine Gesamtzahl von 117.568 verfolgten Straftaten.

Dies geht aus einem kürzlich veröffentlichten Report der “englischen Staatsanwaltschaft” hervor. Hier geht es zur Presseerklärung und dem Bericht der Behörde, die offiziell Crown Prosecution Service (CPS) heißt.

Täter nutzen das Internet

Die Zahlen machen deutlich was inzwischen jedem bekannt sein müsste: Das Internet, soziale Medien und ähnliche Dienste spielen eine immer größere Rolle bei der Tatbegehung.

Die neuen Technologien machen es den Tätern noch einfacher, Straftaten zu begehen und die Hemmschwelle eine Tat am PC zu begehen ist niedriger als in der “normalen” Welt. Außerdem ist bei vielen noch nicht angekommen, dass man auch Straftaten im Netz inzwischen relativ leicht nachverfolgen kann.

Revenge-Porn-Gesetz führt zu (noch) mehr Arbeit

Zu dem Anstieg der Fälle und der damit einhergehenden Mehrarbeit für die Beamten trägt auch ein im April 2015 eingeführte Gesetz bei, welches Revenge Porn strafbar macht.

Zur Erinnerung: Revenge Porn (”Rachepornographie”) liegt vor, wenn ein Täter eigenmächtig anzügliche Videos/Bilder aus dem Privatarchiv veröffentlicht, um seinem Ex-Partner bzw. seiner Ex-Partnerin zu schaden. Gerne wird das Bildmaterial dann auf Facebook geteilt oder über andere Dienste veröffentlicht. Mehr über Revenge Porn und weitere Neuerungen aus dem Cybercrime-Bereich kann man hier erfahren.

Seit Inkrafttreten des Anti-Revenge-Porn-Gesetzes gab es schon 206 Strafverfolgungen. Viel größer ist aber die Zahl der Menschen, die beim CPS eigens eingereichten Hotline um Hilfe bittet: Über 3.700 Opfer von Revenge Porn haben den Kontakt zum CPS gesucht. Eine unglaubliche Zahl!

Staatsanwälte arbeiten eng mit Facebook und Twitter zusammen

Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass der CPS sich auch von Social Media Dienstleistern wie Twitter beraten lässt. Über diese ziemlich erstaunliche Kooperation ist nun ebenfalls mehr bekannt geworden. So sollen Twitter und Facebook die Staatsanwälte fortgebildet haben. Die Beamten haben dabei auch gelernt, welche Spuren in Form von Daten bei den Social Media Anbietern vorhanden sind, die den Ermittlern dabei helfen können die Täter zu identifizieren und die im Strafprozess als Beweismittel vor Gericht herhalten können.

Letztlich geht es wohl darum, einen ständigen Dialog zwischen den Plattformen und den Staatsanwälten aufzubauen um die Strafverfolgung dadurch langfristig effizienter zu machen.

Fazit

Engländer (wie auch Amerikaner) nutzen Internet und soziale Medien sicherlich noch intensiver als Deutsche. Das kann ich aus meiner Zeit in England bestätigen. Die hohen Fallzahlen aus England und Wales lassen aber auch hier aufhorchen. Man kann damit rechnen, dass die Themen Revenge Porn, Belästigung im Internet, Cyber-Stalking usw. auch hierzulande akuter werden.

Hier geht es zu einem lesenswerten BBC-Artikel, der sich intensiv mit dem Bericht des CPS auseinandersesetzt.