Das Anti-Doping-Gesetz

Das Anti-Doping-Gesetz setzt ein neues Ausrufezeichen im Kampf gegen das Doping

Das Anti-Doping-Gesetz setzt ein neues Ausrufezeichen im Kampf gegen das Doping

Seit Dezember 2015 ist das Anti-Doping-Gesetz in Kraft (AntiDopG). Die Politik will damit rechtzeitig für das Olympia- und EM-Jahr 2016 ein Zeichen im Kampf gegen das Doping setzen.

Mittlerweile gibt es auch die ersten Fälle in denen die Staatsanwaltschaft ermittelt. Den Leichtathlet Rouven Christ sowie Ringer und Funktionäre des ASV Nendingen hat es erwischt. Mehr dazu, sowie zu verfassungsrechtlichen Bedenken an dem Gesetz können Sie in meinem Beitrag “Anti-Doping-Gesetz: erste Fälle und verfassungsrechtliche Bedenken” nachlesen. Außerdem können Sie ihre wissen über die neu eingeführte Strafbarkeit des Selbstdoping hier vertiefen.

Zweck des AntiDopG

§ 1 des AntiDopG formuliert:

“Dieses Gesetz dient der Bekämpfung des Einsatzes von Dopingmitteln und Dopingmethoden im Sport, um die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler zu schützen, die Fairness und Chancengleichheit bei Sportwettbewerben zu sichern und damit zur Erhaltung der Integrität des Sports beizutragen."

Im Fokus des Gesetzes stehen damit:

  • Integrität des Sports

  • Sicherung von Fairness und Chancengleichheit

  • Gesundheit der Sportler

Wesentliche Neuerungen

Das Gesetz bringt einige interessante Neuerungen im Kampf gegen das Doping:

  • Strafbarkeit des Selbstdopings wird eingeführt

  • maßgeblich kommt es beim Selbstdoping auf die Absicht an, sich einen Vorteil zu verschaffen

  • auch der Versuch ist strafbar (§ 4 Abs. 3)

  • nicht bestraft wird, wer die Verfügungsgewalt über das Dopingmittel vor der Anwendung aufgibt (§ 4 Abs. 8)

  • umfassender Austausch von Daten mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA)

Vorstellung des Anti-Doping-Gesetz-Entwurfs in einer Pressekonferenz von Thomas de Maizière (CDU, Bundesinnenminister) und Heiko Maas (SPD, Bundesjustizminister)

Kritik am Anti-Doping-Gesetz

Insbesondere die Zielsetzung des Gesetzes wird kritisiert:

  • Selbstdoping sei eine bloße Selbstschädigung und Teil der eigenen Freiheit (Mehr zu diesem Thema hier im Blog nachlesen)

  • Die Integrität des Sports sei kein vom Strafrecht geschütztes Rechtsgut

  • Allein dass das Strafverfahren in der Aufklärung von Sachverhalten sehr effektiv ist (effektiver als Dopingkontrollen und Ahndung durch Verbände?), legitimiere nicht die Einführung neuer Straftatbestände

  • exzessiver Informationsaustausch verletze Datenschutzrecht

Eine Frage der Zeit

Bei aller Kritik, ein Einschreiten des Gesetzgebers ist wenig überraschend. Spätestens seit dem Skandal um Katrin Krabbe ist klar, dass Doping auch in Deutschland ein Problem ist. Springt man von 1992 in das Jahr 2016 stellt man fest, dass jegliche Versuche dem Doping per Selbstregulierung des Sports Herr zu werden, gescheitert sind. Dies liegt auch daran, dass zu wenig Geld für die Dopingbekämpfung verfügbar ist.

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Teil 2 des WADA-Reports stellt sogar fest, dass der Weltleichtathletikverband vom Ausmaß des Dopings und der mangelnden Anwendung der Anti-Doping-Regeln gewusst haben muss.

Reaktion des Deutschen Olympischen Sportbundes

Vielsagend ist übrigens die Reaktion der Betroffenen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) äußerte sich so zum Gesetz (noch vor Erscheinen des im vorigen Absatz beschriebenen WADA-Reports):

"An einem Punkt sind wir nach wie vor skeptisch, nämlich im Hinblick auf die Strafbarkeit des Selbstdopings und des Besitzes von Dopingmitteln in geringer Menge.[...] Unsere Haltung zur Strafbarkeit des Selbstdopings war im Übrigen zu keinem Zeitpunkt dadurch motiviert, Dopingtäter/innen zu schonen. Ganz im Gegenteil: Es geht um die Befürchtung, dass die Parallelität von Sportrechts- und Strafrechtssystem letztlich zu einer Aufweichung und De-Legitimierung des Ersteren führen kann."

Die Befürchtung, dass das Sportrechtssystem in der Dopingbekämpfung noch weiter aufgeweicht werden könnte wirkt angesichts des wenig später erschienenen WADA-Reports (siehe vorheriger Abschnitt) ungewollt komisch.

Fazit

Das Anti-Doping-Gesetz ist eine neue Waffe im Arsenal der Doping-Bekämpfer. Die nicht ablassenden Doping-Skandale machten ein Einschreiten des Gesetzgebers vorhersehbar. Es steht letztlich zu viel auf dem Spiel, als dass die Politik weiterhin zusehen könnte. Die Selbstregulation des Sports in Dopingangelegenheiten ist zu großen Teilen gescheitert.

Möchten Sie mehr erfahren? Hier geht es zum Beitrag über die ersten Fälle in denen die Staatsanwaltschaft gegen Sportler ermittlelt. Lassen Sie sich auch nicht den Beitrag entgehen, der sich gezielt mit der Strafbarkeit des Selbstdopings beschäftigt.