Betrüger bringen Crowdfunding und Internetspenden in Verruf

Internetspenden per Crowdfunding werden durch Betrüger zunehmend in ein schlechtes Licht gerückt.

Internetspenden per Crowdfunding werden durch Betrüger zunehmend in ein schlechtes Licht gerückt.

Im Wall Street Journal erschien kürzlich ein Artikel, der sich mit Betrugsfällen beim karitativen Crowdfunding beschäftigt. Während Crowdfunding in Deutschland meist nur mit der Finanzierung von Geschäftsideen in Verbindung gebracht wird, ist das gleiche Modell im Ausland auch für Spendenaktionen auf dem Vormarsch. Wie das bei solche online-Spenden funktioniert und wovor sich die Spender in Acht nehmen müssen wird in diesem Beitrag beschrieben.

Was ist Crowdfunding?

Definition

Schauen wir uns erst einmal kurz an, was Crowdfunding1 ist. Der Begriff ist recht neu und man erntet noch viele Fragezeichen, wenn dieses Stichwort fällt.

Crowdfunding ist eine Art, Projekte zu finanzieren.2 Die Allgemeinheit wird dabei über das Internet dazu aufgerufen, Geld zu geben um das Projekt auf die Beine zu stellen.

Bei dem zu finanzierenden Projekt handelt es sich oft um Geschäftsideen. Es kann aber zum Beispiel auch zu Spenden für einen wohltätigen Zweck aufgerufen werden. Im Grunde genommen kann damit jede denkbare Idee finanziert werden, egal worum es geht.

Funktionsweise

Über eine Crowdfunding-Plattform startet der Projektleiter einen Aufruf. In diesem Aufruf wird die zu finanzierende Idee dargestellt und die Internetgemeinde zur Bereitstellung von Geld aufgerufen. Man kann das mit einer Ausschreibung vergleichen.

Meist gibt es bei kommerziellen Crowdfunding-Projekten eine Finanzierungsschwelle für die Realisierung des Projektes. Das bedeutet, dass das Projekt erst in die Tat umgesetzt wird, wenn eine Summe X erreicht wird (z.B. 60% der benötigten Gesamtsumme).

Beispiele für Crowdfunding

Zur Veranschaulichung nun zwei Beispiele, damit das Konzept des Crowdfunding griffig wird.

Beispiel 1: Stromberg

Das in Deutschland bekannteste Beispiel für Crowdfunding ist die Finanzierung des Stromberg-Kinofilms. Die Fans der Serie wurden über die TV-Firma Brainpool dazu aufgerufen, die Mittel für die Produktion eines Films mit ihrem Serienliebling bereitzustellen. Über 3000 Geldgeber, davon überwiegend Fans der Serie, brachten eine Million Euro auf.

Im Oktober 2014 war zu lesen, dass der Film rund 1,169 Millionen Euro in die Kassen gespült hatte. Dies entsprach einer Rendite von knapp 17 Prozent. Dieser Gewinn wurde an die Investoren ausgeschüttet. Mehr Details zum Projekt lassen sich hier nachlesen.

Beispiel 2: Support for Arzberger

Im Strafjournal habe ich kürzlich über den Fall Stefan Arzberger berichtet. Am Ende des Artikels habe ich auf die Möglichkeiten zur Unterstützung des Violinisten hingewiesen. Dabei war auch ein online-Spendenaufruf der Frau des Musikers.

Die Aktion läuft über die Crowdfunding-Plattform Fundrazr.com und soll laut der Beschreibung dazu dienen, u.a. die Kosten für die Verteidigung von Herrn Arzberger aufzubringen. Stand März 2016 sind über 50.000 Euro gespendet worden.

Karitatives Crowdfunding in Deutschland und in den USA

One step ahead: online-Spendenaufrufe in den USA

In den USA ist das wohltätige Crowdfunding in den letzten Jahren extrem populär geworden. Von Beerdigungskosten über Adoptionskosten bis hin zur Unterstützung von Kriegsveteranen. Es ist kaum ein mitleidserregendes Anliegen vorstellbar, das nicht zur Crowdfunding-Angelegenheit gemacht werden könnte.

Plattformen wie youcaring.com (ein auf karitative Aktionen spezialisierter Anbieter) oder GoFundMe.com sind wahrhafte Spendenmaschinen und könne sich auf die Fahnen schreiben, dass Sie für Spendenaufrufe jährlich Milliardenbeträge auftreiben.

Die Plattformbetreiber sind häufig selbst hochprofitable Unternehmen. Bei jedem gespendeten Dollar klingeln die Kassen. GoFundMe würde etwa bei einer Spendenaktion die 110.000 US-Dollar von 760 Spendern auftreibt, 5.500 US-Dollar verdienen.

In Deutschland gibt es noch Nachholbedarf

In Deutschland steckt die Nutzung von Crowdfunding für Spendenaufrufe noch in den Kinderschuhen. Oft werden daher wie im oben beschriebenen Fall Stefan Arzberger ausländische Plattformen für Aktionen genutzt. Eine auch in Deutschland aktive Plattform ist hingegen betterplace.org.

Betrüger treiben ihr Unwesen

Da Internet-Spendenaufrufe in den USA um ein vielfaches beliebter sind, ist es auch kein Zufall, dass von Seiten der Amerikaner vermehrt über Missbrauch berichtet wird.

Nachbarin bereichert sich selbst bei Spendenaufruf

Tyree King war ein 13-jähriger Junge aus Springfield, der von einem betrunkenen Autofahrer getötet wurde. Eine Nachbarin der Familie King startete eine Internetaktion auf GoFundMe um Geld für Beerdigungskosten aufzutreiben. Beinahe 3.000 US-Dollar kamen zusammen. Von diesen behielt sie aber über 1.000 Dollar ein und gab nur den Rest weiter! Die Strafverfolgung der dreisten Nachbarin gestaltete sich aber schwierig. Anscheinend bestehen einige Gesetzeslücken. Mehr Infos zu diesem Fall gibt es hier.

Wie lässt sich Missbrauch verhindern?

Der Wildwuchs an Spendenaufrufen ist es gerade, der die Betreiber der Plattformen für Crowdfunding zu ihrem kometenhaften Aufstieg verhilft. Kein Wunder also, dass sie zwar artig die Missbrauchsfälle verdammen, aber zugleich betonen, dass insgesamt alles mit rechten Dingen zugehe. Es geht schließlich um extrem viel Geld.

Die Plattformbetreiber laufen Gefahr, Opfer ihres eigenen Erfolges zu werden. Kein Mensch kann die tausenden Spendenaufrufe kontrollieren, die täglich eingestellt werden. Daher wird auf die Hilfe der User gehofft, die Betrüger aufzuspüren.

YouCaring.com schreibt dazu auf der eigenen Webseite:

“Despite our best efforts, YouCaring cannot guarantee the full accuracy of every fundraiser that is posted. We only recommended that you only donate to fundraisers when you feel confident about their cause and legitimacy.”

Zusammenfassung

Crowdfunding bezeichnet eine Art der Finanzierung von Projekten und Ideen über das Internet und durch die Allgemeinheit. Das karitative Crowdfunding ist vor allem in den USA populär. In diesem Bereich des Crowdfundings für wohltätige Zwecke gibt es vermehr Fälle, in denen die Spendenbereitschaft kriminell ausgenutzt wird. Derzeit ist noch nicht klar, wie solche Fälle vermieden werden können.


  1. Der Begriff “Crowdfunding” kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den Worten “crowd” (= Menschenmenge) und “funding” (= Finanzierung) zusammen.

  2. Crowdfunding hat überhaupt nichts mit dem sogenannten “Crowdsourcing” zu tun. Letzteres betrifft die Auslagerung von Aufgaben an eine Gemeinschaft freiwilliger Internetnutzer. Prominentes Beispiel: Wikipedia.