Totschlag bei illegalem Autorennen? Ein interessantes Fundstück aus der Schweiz

Totschlag bei illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang? Das ist die rechtlich spannende Frage.

Totschlag bei illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang? Das ist die rechtlich spannende Frage.

Anlässlich des Raserfalls von Hagen bin ich zuletzt wieder einmal auf eine ziemlich umfassende Internetrecherche zu dem Themenkomplex Totschlag bei illegalen Autorennen mit Todesfolge gegangen.

Dabei habe ich ein tolles, aber gleichermaßen trauriges Fundstück entdeckt. Für alle Leser, die sich für das Thema illegales Autorennen / Streetracing / Raserdelikte interessieren. Das dürften einige sein.

“Dann hörte ich Kinderschreie”

Im Dezember 2011 gab es in Täuffelen, einem Ort in der Schweiz, ein illegales Straßenrennen. Einer der Raser konnte sein Auto auf der Hauptstraße des Ortes nicht mehr kontrollieren. Er raste mit ca. 100 km/h in eine Familie, die auf dem Gehweg ging und gerade an einem Zebrastreifen die Straße überqueren wollte. Der Familienvater kam ums Leben. Die Mutter und der kleine Sohn wurden verletzt.

Ein Zeitungsbericht schildert, was Zeugen zu dem Fall sagen. Einer berichtet wie er die Fahzeuge in der Innenstadt viel zu schnell an ihm vorbei rasten. Einer habe den anderen überholt. Kaum seien die beiden aus seinem Blickfeld verschwunden, habe er den lauten Unfall gehört. Danach Kinderschreie. Von diesen Erinnerungen wird der Mann bis heute geplagt.

Das Urteil: Totschlag

Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Angeklagten eine zehnjährige Freiheitsstrafe gefordert. Die Verteidiger hatten ein deutlich geringeres Strafmaß vor Augen. Für den Unfallverursacher wurden 18 Monate gefordert, für den zweiten Raser ein Freispruch.

Eine zentrale Frage des Prozesses war ob es tatsächlich ein Autorennen zwischen beiden Fahrern gab. Eine andere war die nach dem Tötungsvorsatz. Zu letzterem Aspekt hier ein Medienbericht über den Fall.

Das Gericht entschied im Dezember 2015 eher im Sinne der Anklage. Die beiden 22-jährigen Raser wurden wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt. Am Ende standen sieben und siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Außerdem die Einziehung und Vernichtung des Unfallautos. Mehr zum Urteil in diesem Zeitungsartikel.

Die Rechtslage in Deutschland

Eine Frage der Zeit

Über die Rechtslage in Deutschland habe ich schon mehrfach hier im Blog berichtet. Hierzulande scheint man deutlich restriktiver zu sein was die Annahme von Totschlag betrifft. Einzig die Staatsanwaltschaft in Berlin scheint im Raserfall am Kurfürstendamm bisher den Mut und das juristische Gespür zu haben, zumindest Ermittlungen wegen Totschlags einzuleiten.

Da sich derartige Fälle aber häufen und das Medieninteresse hieran stetig zunimmt ist es vermutlich unausweichlich, dass sich die Gerichte, Staatsanwaltschaften und auch der Gesetzgeber in Deutschland mit diesem Problem beschäftigen.

Weitere Beiträge zum Thema

Hier geht es zu meinem Beitrag über das Autorennen in Berlin und die juristische Frage ob eine vorsätzliche Tötung in Frage kommt. Der Artikel wurde nach der Erstveröffentlichung deutlich ausgebaut, da sich sehr viele Blog-Leser für das Problem interessieren.

Aus diesem Grund habe ich auch ein lesenswertes Interview mit einer renommierten Strafrechtsexpertin aus der Schweiz geführt. In dem Gespräch klingt auch an weshalb die Justiz in der Schweiz eine härtere Gangart bevorzugt.

Fazit

Das Urteil bestätigt, dass die Schweizer Justiz sich leichter tut was die Bejahung von Totschlag bei illegalen Autorennen anbelangt.