Australier droht Haftstrafe wegen Facebook-Hetze

Wer andere Personen im Internet beleidigt, bedroht o.ä. kann wohl kaum noch als bloßer "Troll" bezeichnet werden.

Wer andere Personen im Internet beleidigt, bedroht o.ä. kann wohl kaum noch als bloßer "Troll" bezeichnet werden.

In Sidney erwartet einen 25-jährigen Mann eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren wegen frauenfeindlichen und einschüchternded Facebook-posts.

Einsicht sieht anders aus

Er sei sich nicht bewusst, dass “internet trolling” ein Verbrechen sei. Dies äußerte Zane Alchin angesichts der Tatvorwürfe gegenüber der Polizei. Außerdem sei er betrunken gewesen, als er die die “posts” getätigt hatte. Denn: er sei beim Verfassen der Beiträge betrunken gewesen.

Dies reflektiert auch seine Reaktion auf die Androhung des Opfers, die Polizei zu verständigen: “Welches Gesetz breche ich denn?” fragte er.

Alchin hat anscheinend zunächst nicht begriffen, dass seine Beiträge Straftaten darstellen und welche Tragweite sie haben. Das zeigt, dass er sich selbst nur als einen “Troll” bezeichnet. Laut wikipedia ist ein Troll eine Person, die die Netz-Kommunikation auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie provozierende Beiträge verfasst, die keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten.

Beleidigende, einschüchternde und bedrohende Beiträge

Alchin veröffentlichte zahlreiche beleidigende Kommentare

Wie ein reines Troll-Verhalten sieht sein Verhalten allerdings nicht aus. Vielmehr hat es den Anschein, dass er eine regelrechte Kampagne gegen das Opfer führte. Zahlreiche der mehr als 50 Kommentare, die er innerhalb kurzer Zeit auf Facebook öffentlich machte, waren gegen Paloma Brierley Newton gerichtet, eine 24-jährige Australierin.

Unter den herabwürdigenden Posts waren beispielsweise diese Äußerungen:

“You’ll be eating my cock till you puke” - “I’d rape you if you were better looking”

Ein Gradmesser für das Reaktionsvermögen der Justiz im Kampf gegen Cybercrime

Das Opfer fühlte sich dadurch verängstigt und beleidigt. Sie fühlte sich der Kampange hilflos ausgesetzt. Frauenvereinigungen und Beobachter sehen den Strafprozess als einen Gradmesser dafür, wie Polizei, Staatsanwälte und Strafgerichte mit der Online-Belästigung von Frauen umgehen.

Strafmaß von maximal 3 Jahren Freiheitsstrafe

Während Alchin zunächst auf “nicht schuldig” plädierte, änderte er seine Verteidigungsstrategie und bekennt sich für schuldig. Noch im Juli soll das Strafmaß verkündet werden. Eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren is theoretisch möglich, aber unwahrscheinlich.

Fazit

Gerade bei Kommentaren in sozialen Medien wie Facebook, Tinder, Twitter etc. scheint die Hemmschwelle durch die vermeintliche Anonymität im Internet besonders niedrig zu sein. Das verdeutlichen auch die zahlreichen “Hassposts” gegen Politiker, Prominente oder ganze Bevölkerungsgruppen. Meist dulden Opfer die Anfeindungen stillschweigend. Die Täter scheinen online auch einfach nicht das Gefühl dafür zu haben, dass sie Straftaten begehen. Das dürfte sich durch die zu erwartende Welle von Anklagen in den nächsten Jahren ändern.

Quellen zu dem Fall: The Guardian und Salon.com